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an der bekannten Kansas Pacific-Eisenbahn-Anleihe be-
teiligt waren. Diese Anleihe wurde von den Leuten, die
Geld anlegen wollten, hauptsächlich im Hinblick auf eine
Landbewilligung von 3 Millionen Morgen in Kansas und
Colorado begehrt, die die Kansas Pacific-Eisenbahngesell-
schaft von dem Kongreß durch Bestechung erlangt hatte
und die den Anfang von nicht nur einer, sondern von vielen
aufeinanderfolgenden Betrügereien und Räubereien bildete.
Morgan konnte — und soweit die landläufige Auffassung
ging, mit Recht — behaupten, daß es ein „rechtmäßiges
Bankverfahren“ sei, diese Anleihe auf den Markt zu bringen;
aber die Tatsache, daß kein Bankier es ablehnte, aus der
Finanzierung von Unternehmungen Nutzen zu ziehen, die,
nach seinem Wissen, mit Bestechung und Betrug begonnen
und ebenso fortgesetzt wurden, gibt eine sehr klare Vor-
stellung von der in den kapitalistischen Klassen herrschenden
Moral und Ethik.
Die große Obligationenausgabe des Jahres 1877
Morgan wurde dann "Teilhaber der Firma Drexel,
Morgan & Co. Er fing an, sich bei sehr großen geschäft-
lichen Unternehmungen hervorzutun. Eine dieser Unter-
nehmungen bestand darin, daß er die Ausgabe der 260 Millio-
nen Dollar amerikanischer Staatspapiere vom Jahre 1877 auf
den Markt brachte. Es genüge, wenn wir sagen; daß man
diese Ausgabe von Staatspapieren allgemein und nicht ohne
volle Berechtigung als einen der allerschlimmsten, jemals
bekannt gewordenen Fälle betrachtete, wie das Volk an
einige wenige Bankiers verraten wurde. Der Verkauf der
Papiere wurde den folgenden Bankhäusern zugeteilt:
August Belmont, den Rothschilds, J. und W. Seligmann
Brothers und Drexel, Morgan & Co. in London. Dieses
Syndikat verkaufte die Papiere sofort mit einem Aufschlag
von ı bis 4 Prozent über den Preis, den es der Regierung ge-
zahlt hatte. Der Gewinn des Syndikats ging über 10 Millionen
Dollar hinaus. Von Drexel, Morgan & Co. allein glaubte
man, daß sie einen Reingewinn von 5 Millionen Dollar
„gemacht“ hatten. Ihre ganze Tätigkeit bestand einzig und