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sicherungsgesellschaften wurden ungeheur große Mengen
von Obligationen und Aktien an die Versicherungsgesell-
schaften verkauft!). Zum großen Teil mit diesem Gelde
der Mittelklasse wurden die Magnaten in den Stand gesetzt,
ihre großen Eisenbahn- und Trustprojekte zu finanzieren.
Andere Teile der Aktienausgabe wurden direkt an die Mittel-
klasse verkauft, und dann verfuhr man mit ihnen so, daß jene
Klasse noch weiter ausgepreßt wurde.
Streit um die Beute
Lange Zeit wurde dieses Plündern der Versicherungs-
zesellschaften ungehindert und ohne die öffentliche Auf-
merksamkeit auf sich zu ziehen, fortgesetzt. Die Ursachen
dieses Freibleibens von amtlicher Verfolgung und Bloß-
stellung wurden erst im Jahre 1905 aufgedeckt. In diesem
Jahre kam es zu der gewöhnlichen kapitalistischen Ent-
wickelung. Ein Streit, zuerst nur privates Murren, dann
zu lärmendem Kampfe anwachsend, setzte unter Gruppen
von Magnaten ein. Und was war die Veranlassung? Be-
stand sie in persönlicher Feindschaft? Durchaus nicht.
Die Sache entstand aus Uneinigkeiten über die Vertei-
lung der Beute bei der Lebensversicherungsgesellschaft
„Equitable‘, Magnat rüstete sich gegen Magnat, und
Gruppe stand gegen Gruppe. Je klarer es wurde, daß der
Kampf um die Beherrschung der verblüffend hohen Ein-
künfte nicht geschlichtet werden konnte, desto feindseliger
wurden die Magnaten. Bald war es so weit, daß häßliche
Anklagen auf Betrug, Diebstahl und Bestechung ihren Weg
in die öffentliche Presse finden konnten. Hier gab es ein
Schauspiel für Götter. Diese Angriffe kamen nicht von
irgendeinem „Arbeiterführer“ her, auch nicht von irgend-
3iner „unverantwortlichen Zeitung‘; nein, sie kamen
von einigen der fürstlichsten Magnaten des Landes, von
Männern „tadellosester Ehrbarkeit‘“.. Jetzt beschuldigten
1) Der „Equitable‘ gehörten z, B. 162 364 034 Dollar Eisenbahn- und Straßen-
bahn-Gesellschafts-Obligationen, der „Mutual‘“ ungefähr dieselbe Summe in Eisen-
bahn- und verschiedenen andern Obligationen und der „New York“ eine ähnlich
zroße Summe,