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ländische Absatzmärkte zu eröffnen, als zu anderen Zwecken.
Aber er verpaßte keine Gelegenheit, sich mit jedem neuen
Verfahren und jeder neuen Erfindung bekannt zu machen,
wovon er zu hören bekam. Er besichtigte die europäischen
Eisenwalzwerke, prüfte jede Einzelheit aufs genaueste und
wählte davon, was ihm wertvoll erschien. So beobachtete er
einmal, als man ihm, ohne Verdacht zu hegen, die Freund-
lichkeit erwies, ihm die Besichtigung eines deutschen Werkes
zu gestatten, daß durch einen gewissen dort angewandten
Prozeß eine große Ersparnis in bezug auf die Haufen alten
Schieneneisens, die zur Bereitung der Eisenbalken in den
Hochofen geworfen werden mußten, erzielt. wurde. Ohne
Zögern skizzierte er sich die Methode und führte sie nach
seiner Rückkehr nach Pittsburg dort anstatt des bis dahin
üblichen Verfahrens ein. Man sagt, die Firma habe seitdem
jeden Tag so viel gespart, wie seine Reise nach Europa ge-
zostet hatte.
Nun wurde die Firma geändert: am 1. Dezember 1870
zründeten Kloman, Phipps und die Brüder Carnegie die
Firma Kloman, Carnegie & Co. Ein paar Monate später
begannen sie mit dem Bau des berühmten Hochofens
„Lucie“ an der 59. Straße in Pittsburg. Dieser Hochofen
war so leistungsfähig, daß er mit der Erzeugung von
350 Tonnen Roheisen wöchentlich begann — was man
damals kaum für möglich gehalten hatte — und dreizehn
Jahre später sogar 800 Tonnen täglich produzierte. Und
dieser Ofen war es, dessen Einrichtung Kloman in finanzielle
Schwierigkeiten stürzte, die Andrew Carnegie die vermut-
lich lang erwartete Gelegenheit boten, ihn hinauszuwerfen.
Wie hoch Carnegies Reichtum sich damals genau belief —
das zu ermitteln, ist unmöglich. Doch floß seine wachsende
Macht nicht bloß aus seinem persönlichen Einkommen,
sondern auch aus der Kühnheit, mit der er vorging, und be-
sonders daraus, daß er die Interessen großer Kapitalisten
mit seinen Plänen zu verflechten wußte. So vermittelte er
der Schlußstein-Brückengesellschaft noch vor ihrer Grün-
dung eine Fülle von Aufträgen und von Frachtermäßigun-
gen, indem er sich mit den höchsten Beamten der Pennsyl-
vania-Bahn in Verbindung setzte. J. Edgar Thompson, der