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unvernünftige Gelder. 1891 hatten sie 4 300 660 Dollar
Reingewinn, 1892 waren es 4 Millionen. Die Arbeiter hatten
nicht die geringste Drohung ausgestoßen, nicht das Geringste
getan, das auf gewalttätige Absichten schließen ließ. Die
Vorbereitungen des Carnegie-Konzerns aber ähnelten den
Vorbereitungen für eine Belagerung oder eine Schlacht.
Carnegie und Frick wußten wohl, daß Männer und Frauen,
die für ihre bare Selbsterhaltung kämpften, durch derartige
feindselige Vorbereitungen aufgereizt werden mußten, und
trafen sie mit vollem Bewußtsein.
Homestead als Festung
Um die Homesteader Werke herum war ein kräftiger
Bretterzaun von zwölf Fuß Höhe und drei Meilen Länge
errichtet worden. Oben auf diesem Zaun war ein schweres
Kabel gelegt und mit einem starken elektrischen Strom ver-
bunden worden, der im Büro durch einen einfachen Schalter-
druck eingeschaltet werden konnte; der Strom war so stark,
daß er jeden töten mußte, der ihn berührte. Man nannte das
in Homestead „Carnegies lebensgefährlichen Zaun“. Den
ganzen Zaun entlang sah man Schießscharten, vier Zoll im
Durchmesser, in Kopfhöhe eingelassen: sie waren für die
Büchsen der Mietlinge bestimmt. An verschiedenen Punk-
ten längs des Zaunes waren Gräben gegraben. An gewissen
Stellen standen Hydranten, durch die ein kräftiger Strom
heißen oder kalten Wassers losgelassen werden konnte.
Hunderte von Bogenlampen waren über die ganzen Werke
hin an hohen Trägern aufgehängt, und den Zaun entlang
waren Scheinwerfer angebracht. Um das Kontor herum
stand ein weiterer Zaun, und mit dem Innern der Werke war
es durch eine 40 Fuß hohe Brücke verbunden; darauf war
ostentativ eine Schildwache unter einer Bogenlampe auf-
gestellt. Blitzlicht-Kameras befanden sich an verschiedenen
Stellen der Werke, um Momentaufnahmen von denen, die
herankamen, machen und sie nachher identifizieren zu
können. Zur Bequemlichkeit der importierten „Räudigen“
waren Baracken errichtet, und auf dem Flusse, dem Stahl-
werke gerade gegenüber, war eine stählerne Dampfbarkasse