Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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anterhalb Pittsburgs um Mitternacht des 5. Juli an- 
gekommen und von dort aus in großen Kähnen nach Home- 
;tead. geschleppt worden, das sie am 6. Juli gegen 4 Uhr 
morgens erreichten. Diese Banden von Privatsoldaten hatten 
absolut keine gesetzliche Berechtigung. Sie waren weder 
für den Krieg noch für den Frieden vereidigt worden, und 
soweit das Gesetz galt, stellten sie, bis zu den Zähnen be- 
waffnet, wie sie waren, nur eine Bande von Rowdys dar, 
die auf Missetaten aus waren. Indessen hat trotz der offen- 
baren Tatsache, daß sie eine lebende Gesetzesverletzung ver- 
körperten, kein einziger öffentlicher Beamter sich gerührt, 
um sie anzuhalten. 
Von ihrem Kommen unterrichtet, liefen die schon zur 
Verzweiflung gebrachten Homesteader Arbeiter zum Kai 
hinter den Stahlwerken — viele mit Frau und ‚Kindern. 
Die Ausständigen wußten aus bitterer Erfahrung, daß die 
Ankunft der Pinkerton-Leute immer sichere Unruhen be- 
Jeutete und daß sie zu dem ausgesprochenen Zweck ge- 
mietet wurden, Gewalttaten zu provozieren, auf daß man 
den streikenden Arbeitern die Erregung von Aufruhr zur 
Last legen, dadurch die sogenannte öffentliche Meinung 
„eeinflussen und einen Vorwand finden könne, die Hilfe 
des Militärs zu verlangen. 
Während die Streikenden so versammelt waren, wurde 
von einem Pinkerton-Mann ein Schuß abgefeuert, und 
einer von den Streikenden sank tödlich verwundet zu Boden. 
Mit einem wilden Wutschrei rüsteten die Ausständigen sich 
zum Widerstand, 
Sich hinter Haufen von Stahlschienen verbarrikadierend, 
gaben sie jetzt Salve auf Salve aus Revolvern auf die in den 
Booten verborgenen Pinkerton-Männer ab, und diese erwi- 
derten das Feuer sofort aus Büchsen. Gleichzeitig pumpten 
andere Scharen ausständiger Arbeiter Öl in die Kähne und 
versuchten sie in Brand zu setzen, was ihnen aber nicht ge- 
lang. Nochandere Ausständige trieben brennende Flößeandie 
Kähne und schleuderten auch Dynamit, aber diese Versuche 
hatten keinen Erfolg. Den ganzen Tag über dauerte dieser 
Kleinkrieg, und das unheimliche Krachen der Schüsse, die 
Flüche der Arbeiter, die Schreie der Verwundeten und Ster-
	        
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