Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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mehr. Indieser Liste sind aber keineswegs alle seine Schenkun- 
gen aufgeführt. Seine letzte bestand in einem Fonds, aus dem 
die Expräsidenten der Vereinigten Staaten oder ihre Witwen 
25 000 Dollar jährlich bekommen sollen — eine außerordent- 
lich weise Schenkung, die ihren Zweck nicht verfehlen wird. 
Aber selbst bei seinen „philanthropischen Unternehmun- 
gen‘ bewahrt Carnegie seine alte feine Kunst, viel für wenig 
zu bekommen. Seine Schenkungen an Bibliotheken waren 
nicht bedingungslos: gab er einer Stadt eine gewisse Summe 
zur Gründung eines Instituts, so stellte er regelmäßig die 
Bedingung, daß die Stadt die laufenden Ausgaben decke. 
So sicherte er sich durch eine einmalige Ausgabe ein ewiges 
Gedächtnis in Form eines Gebäudes, das nach ihm benannt 
wurde; aber die dicke Rechnung mußte von den Bürgern 
bezahlt werden. Eine Anzahl Städte ist denn auch nicht 
blind gewesen gegen diese besondere Art Wohltätigkeit und 
hat seine Angebote abgelehnt. Erst kürzlich, am 11. De- 
zember 1912, richtete die Buchdrucker-Gewerkschaft Nr. 27 
einen Protest an die Stadt gegen die Annahme von 50 000 
Dollar „aus diesem Blut- und Sündengeld zum Bau einer 
öffentlichen Bibliothek, die hauptsächlich seinem Gedächtnis 
dienen und die Steuerzahler mit 5000 Dollar jährlichen 
Unterhaltungskosten belasten soll.“ 
Man darf natürlich nicht erwarten, daß ein einziger 
Mensch wie Carnegie, der in seinem Palast an der fünften 
Avenue zu New York oder in Schottland in seinem Schlosse 
Skibo bequem sein Alter genießen will, die Mühe der Über- 
wachung so weitverzweigter Stiftungen und Fonds auf sich 
nehme. Gerade so, wie er Leute mietet, die seine Stahl- 
werke zu beaufsichtigen haben, so hat er auch Angestellte, 
die berufsmäßig seine Wohltätigkeitsunternehmungen leiten. 
Sie bilden eine Kommission von acht „hervorragenden 
Männern“, die die „Carnegie-Korporation“ verwalten. Bis 
jetzt hat Carnegie insgesamt 125 Millionen Dollar in Pa- 
pieren. diesen T'rabanten überwiesen, die das Geschäft be- 
sorgen, während Carnegie das allgemeine Lob einsteckt. 
Überblickt man Carnegies Karriere, so sieht man sofort, 
daß er, nach den heutigen Begriffen vom Geschäftsleben, 
immer als „ehrlicher Mann“ gegolten hat.
	        
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