Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

Einer der Gründe, den die Chicagoer Vice Commission 
dafür angibt, daß in den Vereinigten Staaten jährlich 
40 000 Mädchen Prostituierte werden, ist „der wirtschaft- 
liche Druck des Fabriklebens auf ungeübte Arbeiterinnen, 
mit dem abschwächenden Einfluß auf die Willenskraft“. 
Für ihre geringen Löhne müssen sich die Arbeiter unter 
den schwierigsten und anstrengendsten Arbeitsbedingungen 
plagen, und diese Verhältnisse haben besonders grausame 
physiologische Wirkungen auf die Frauen. In den Fabriken 
sind die Arbeiter jedes Alters und Geschlechts unaufhörlich 
Unglück und Tod ausgesetzt, nicht nur durch die Gifte, 
die ‘in vielen Industriezweigen erzeugt werden, sondern 
durch die sogenannten „gewerblichen Unfälle‘ in allen 
Industriezweigen. In dem Bulletin Nr. 78 des U. S. Bureau 
of Labor 1908 wird berechnet, daß zwischen 30000 und 
35 000 erwachsene Lohnarbeiter in jedem Jahre getötet 
und z Millionen erwachsene Lohnarbeiter jährlich verletzt 
werden; der Bericht sagt ausdrücklich, daß die Liste der 
getöteten und arbeitsunfähig gemachten weiblichen und 
kindlichen Arbeiter in diese Berechnung nicht miteingezogen 
sei. Es wird in dem Bulletin erklärt, daß es möglich gewesen 
wäre, wenigstens die Hälfte dieser Leben durch Sicherheits- 
vorrichtungen und eine verständige Art der Fabrikinspek- 
tion und Überwachung zu retten. Und innerhalb und 
außerhalb der Fabriken müssen alle Arbeiter beständig 
Krankheiten, Verarmung und Elend Trotz bieten. Die 
statistischen Berichte der Irrenanstalten zeigen, daß ‚eine 
ungeheure Zahl von Fällen auf Entbehrung, Qualen und 
Überarbeitung zurückzuführen sind. Elend, Krankheit, 
Unterernährung und minderwertige oder verfälschte Nah- 
rung raffen jährlich Hunderte und Tausende von Arbeitern 
und Mitgliedern ihrer Familien dahin und treiben sie vor- 
zeitig in das Grab. Dreihunderttausend Kinder sterben in 
jedem Jahre in den Vereinigten Staaten, bevor sie ihr erstes 
Lebensjahr erreicht haben; die Sterblichkeitsziffer ist in den 
Armenvierteln ungefähr doppelt so hoch wie in den besseren 
Stadtteilen.
	        
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