Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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Prozession von Geldfürsten mit passendem Gesichtsaus- 
druck und in tadelloser Trauerkleidung, obgleich mit Aus- 
nahme seiner eigenen Familie nicht eine Seele wirklich um 
Gould trauerte. Sein Testament enthüllte einen Besitz 
von nominell 77 Millionen Dollar, aber dieses war nur die 
öffentliche Seite des testamentarischen Schriftstücks; sein 
Besitz belief sich auf viel mehr. Die ganze Hinterlassenschaft 
sollte für seine sechs Kinder — vier Söhne und zwei Töch- 
ter — verwaltet werden; Gould hinterließ nicht wie die 
Astors und einige andere Magnaten die große Masse seines 
Vermögens seinem ältesten Sohne. 
Jetzt, da Gould gestorben war, stießen viele Zeitungs- 
besitzer, die, solange er lebte, vor ihm gedienert oder furcht- 
am geschwiegen hatten, wie Gassenkehrer ihre Schmähun- 
gen hervor und zählten seine hassenswerten Taten auf. 
Die Unrichtigkeit ihrer Darstellungen bestand nicht in 
der Übertreibung seiner Lasterhaftigkeit — das wäre nicht 
möglich gewesen — sondern darin, daß sie ihn als einen 
außergewöhnlichen Betrüger herausgriffen und von dem 
System loslösten, das ihn hervorgebracht hatte und das 
allein verantwortlich gemacht werden konnte. 
Gould ging dahin als der gehaßteste Mann der Ver- 
einigten Staaten. Sozialer Ehrgeiz hatte ihn niemals berührt, 
aber in seinen Kindern entwickelte sich das Streben nach 
Anerkennung. Zuerst kam es bei jedem Schritt zu einem 
Hervorbrechen der alten Schmähung, daß ihres Vaters 
Vermögen durch Raub und Vernichtung gewonnen sei. 
Aber alle Begründer ‚von Reichtümern waren ohne eine 
einzige Ausnahme von derselben Art; alle hatten überlistet, 
gelogen, getäuscht, bestochen, betrogen und gestohlen. ı 
Jedoch die Goulds mit Hunderten von Millionen. Dollar 
zu ihrer Verfügung waren imstande, alle sozialen Hinder- 
nisse zu überwinden. Wenn jemand genug Geld hat, dann 
braucht man ihm eine auserwählte gesellschaftliche Stellung 
nicht erst zu bewilligen, er kann sie im Sturme nehmen. 
Einer der leichtesten Wege besteht darin, sich den Eintritt 
in die Gesellschaftsklasse des europäischen Erbadels zu er- 
kaufen, da dieser in der heutigen praktischen Zeit mit der 
Verhökerung von Namen für Bargeld einen lebhaften Handel
	        
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