Full text: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Vor, dass die ganze Familie mit allen ihren Kindern bei einer Maschine 
arbeitet. Die Kinder unter sieben Jahren werden als Kutscher bei der 
Pferdedreschmaschine verwendet. Da die Maschinen jetzt immer kompli 
zierter werden, so werden sowohl Kinder, als auch überhaupt viele 
ungelernte Arbeiter von Unfällen in sehr grossem Masse betroffen. So 
betrug die Zahl der Kinderunfälle im Gouv. Cherson im Jahre 1895 
über 25 % der gesamten Zahl der Unfälle. Unter den von Unfällen 
betroffenen Kindern kamen auf Kinder von 3 10 Jahre 8,1 °/ 0 . Der 
Arzt Onutschkow berichtet, dass die Zahl der Unfälle, die den Kindern 
nach seinen Erfahrungen zustiessen, sogar 36,8 % beträgt. Unter diesen 
aber kommen auf Unfälle von Kindern unter zehn Jahren bei den 
einheimischen Arbeitern 70 °/ 0 , bei den Wanderarbeitern 6%, bei den 
Kindern von 11 — 15 Jahren bei den einheimischen Arbeitern etwa 30o/°, 
bei den Wanderarbeitern 23°/o. Auch die Zahl der Unfälle von Frauen 
beträgt nicht weniger als % der gesamten Zahl der Unfälle. Diese 
lassen, nebenbei bemerkt, auf das prozentuale Verhältnis schliessen, in 
welchem Frauen und Kinder in der neurussischen Landwirtschaft beschäf 
tigt werden. Nach den Angaben von Onutschkow betragen von der ge 
samten Zahl der Unfälle solche mit tötlichem Ausgange 37°/ 0 , mit völligem 
Verlust der Arbeitsfähigkeit 5,5 °/<>, dauerndem partiellen Verlust der 
Arbeitsfähigkeit 22% und mit temporärem Verlust der Arbeitsfähigkeit 
68%. Da die Arbeit oft am Abend und — da die Zeit noch als «Däm 
merung» gilt ohne Beleuchtung ausgeführt wird, so vermehrt dies noch 
mehr die Zahl der Unfälle. 
Ziemlich stark, nicht weniger häufig als die Unfälle sind auch die 
specifischen Berufskrankheiten verbreitet. So wird z. B. eine eigentümliche 
Krankheit bei den Mähern häufig angetroffen. Von der übermässigen 
Mäharbeit entsteht bei dem Arbeiter eine Daumengelenkentzündung. In 
der Naturalverpflegungsstation in Golta wurden von einem Arzte mehrere 
Fälle dieser Krankheit konstatiert. Bei richtiger Behandlung und 
genügender Ruhe wird der Arbeiter bald gesund. Bei Vernachlässigung 
aber wird die Krankheit stärker und der Mäher verliert für längere Zeit 
seine Arbeitsfähigkeit. Diesen Ausgang nimmt die Krankheit sehr häufig, 
da die Naturalverpflegungsstationen ziemlich weit von einander entfernt 
liegen, und der Arbeiter nicht immer die nötige medizinische Hilfe 
bekommt. Eine andere, stark verbreitete, specifische Krankheit der 
Landarbeiter ist ein Augenkatarrh (Conjunctivitis). Diese Krankheit 
kommt bei den Einlegern an der Dreschtrommel vor und zwar als 
Folge des Fehlens von Schutzvorrichtungen bei der Dreschmaschine. 
Der Staub, den die Dreschmaschine entwickelt und die durch die Gewalt
	        
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