Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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warum er bei seinen Bahnen auf die Bequemlichkeit des 
Publikums keine Rücksicht nehme, platzte er heraus: „Das 
verdammte Publikum!“ 
Frage und Antwort waren sicher überflüssig; aber sie 
erregten eine allgemeine tiefe Verstimmung. Er wurde die 
Zielscheibe allgemeiner Anschuldigungen und Verwün- 
schungen, sehr mit Unrecht, denn er hatte nur dem leiten- 
den Prinzip der ganzen kapitalistischen Klasse offenen und 
deutlichen Ausdruck gegeben. Die Moral dieses Zwischen- 
falls prägte sich den Gemütern der Reichen tief ein und 
hat bis auf diesen Tag die Politik ihres äußeren Benehmens 
beeinflußt. Sie machten die Erfahrung, daß sie wohl priva- 
tim über das Volk, das zu ihrer Bequemlichkeit und Bereiche- 
rung geschaffen war, lächeln konnten, daß sie aber ihre Mei- 
nung nicht so öffentlich kundtun durften. Es ist weit klü- 
ger, haben sie eingesehen, sich der Heuchelei zu bedienen 
und äußerlich eine sehr liebevolle und rührende Fürsorge 
für die Interessen des Volkes an den Tag zu legen. 
Hundert Millionen Dollar in sieben Fahren neu erworben 
Aber William H. Vanderbilt ließ sich durch diesen Aus- 
5ruch der öffentlichen Wut wenig stören. Er konnte zynisch 
darüber lächeln, solange ihm seine Privilegien, seine Macht 
und sein Besitz nicht dadurch geschmälert wurden. Seit 
dem Tode seines Vaters hatte er seinen Reichtum um rund 
(oo Millionen Dollar vermehrt. Der alte Vanderbilt hatte 
mehr als 30 Jahre gebraucht, um das Vermögen von 105 
Millionen Dollar zu sammeln, das er hinterließ. Da William 
H. Vanderbilt auf breiterer Grundlage arbeiten konnte, ver- 
doppelte er dies Vermögen in sieben Jahren. Im Januar ı 883 
vertraute er einem Freunde an, daß er 194 Millionen Dollar 
vesitze. „Ich bin der reichste Mann der Welt,“ fuhr er fort. 
„Der Herzog von Westminster soll 200 Millionen Dollar be- 
sitzen, aber das ist hauptsächlich Grundbesitz und Häuser und 
bringt keine zwei Prozent‘“1). Im selben Atemzuge, wo er mit 
seinem Reichtum prahlte, klagte er über seine schwache Ge- 
sundheit; er litt an Schlaflosigkeit und Verdauungsstörungen. 
1) Erzählt in der New Yorker Times vom 9. Dezember 1885.
	        
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