Metadata: Entwicklung der Reklame vom Altertum bis zur Gegenwart

54 PLAKATE FÜR LOTTERIE UND SCHAUSTELLUNG 
den Werken selbst entnommen, ein Vorgang, der im Hinblicke auf 
das Buchformat der damaligen Plakate leicht durchführbar war. 
Zu den frühesten öffentlichen Ankündigungen gehörten 
auch die sogenannten falschen Guldenblätter (s. Abb. 46 
aus ‚dem Jahre 1582), welche die Bevölkerung über die 
damals einen empfindlichen Übelstand bildenden falschen 
Münzen aufklären und die , Vermeidung ihrer Annahme 
bewirken sollten. In der Ordonnance von Franz I. über die 
Pariser Polizei vom 13. November 1539 wird ausdrücklich 
das Anschlagen dieser Verordnung „escriptes en parchemin et 
en grosses lettres‘“, in allen sechzehn Bezirken von Paris auf 
Pergamenttafeln in großen Lettern an auffälligen Orten, damit 
sie gesehen würden (Vachon, Les arts et les industries du 
papier, S. 194), angeordnet. 
Eine der ältesten gedruckten Lotterieankündi- 
gungen ist ein Holzschnitt (Xylographie), das sogenannte 
Rostocker Lotterieplakat von Eberhard Altdorfer aus 
dem Jahre 1518, welches sich in der dortigen Universitäts- 
bibliothek befindet (s. Abb. 47). 
Neben den Buchhändlerankündigungen, Anzeigen über 
Lotterien, Menagerien, Schaustellungen und sonstige Lust- 
barkeiten (Abb. 48 bis 49) bildeten die amtlichen Anschläge 
den überwiegenden Gegenstand der Plakate. Das älteste Plakat, 
welches die Schaustellung einer menschlichen Mißgeburt 
betrifft, ist das der Friesin Magdalena Emohne; es ist ein 
Holzschnitt und stammt aus dem Jahre 1601. Auf demselben 
ist das fünfjährige Mädchen ohne Arme und nur mit einem 
Fuß zu sehen. Ein zweites Plakat, welches dieselbe Person 
betrifft, stammt aus dem Jahre 1616. Beide Ankündigungen 
befinden sich im Germanischen Museum in Nürnberg. Dort 
sind auch eine Reihe alter Plakate, welche sonstige mensch- 
liche Abnormitäten, wie Mißgeburten, Zwerge, Riesen, Zirkus- 
akrobaten u. dgl. darstellen. Das älteste Tierschauplakat 
wurde im Jahre 1625 in Genf verwendet; es enthält die 
Darstellung von zwei Affen in einer Zirkusnummer. Die meisten 
Ankündigungen und in erster Linie die amtlichen wurden in 
der Regel an der Rathaus-, Amtshaus- und Kirchen- 
tür sowie an der Dorflinde angeschlagen. Martin Luther
	        
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