Full text : Das Nahrungswesen in England vom XII. bis XV. Jahrhundert

14.

heute, !) oder in der verschiedenen zubereitung oder wohl in
beiden zugleich, lässt sich also, wie wir sehen, nicht so leicht
entscheiden. Es ist anzunehmen, dass die bedeutung der
wörter auch lokal auseinanderging, wie mundartlich heute
noch,?) so dass man z. b. in der einen gegend mit ‘beor’ bezeichnete,
 was in einer anderen gegend ‘ealu’ hiess.
Dass die bezeichnung des malzgetränks als ‘beor’ den
Angelsachsen eine sehr geläufige war,?) beweisen die vielen
zusammensetzungen, die das wort eingegangen ist.?) Auffallend
aber ist, dass ‘beor’ im Me. fast ganz ausser gebrauch kam;
wir finden es nur in poesie und auch da nur selten; Langland
und Chaucer gebrauchen es gar nicht;‘) sie kennen nur das
‘ale’. In den me. urkunden tritt das malzgetränk ausschliesslich
 als ‘ale’ auf, in lat. als ‘cerevisia’, in norm.-franz. als
‘cereveise’.
Nach dieser auseinandersetzung über das gegenseitige
verhältnis der bedeutung und häufigkeit der beiden für das
malzgetränk gebräuchlichen ausdrücke kommen wir zu unserem
eigentlichen thema: das malzgetränk im englischen haushalt
des späten mittelalters. Es war schon zu dieser zeit das beliebteste
 und allgemeinste getränk des englischen volkes.
Namentlich in volkstümlichen dichtungen wird es viel häufiger
erwähnt als irgend ein anderes getränk, und über dessen zubereitung
 und verkauf bestehen zahlreiche amtliche verordnungen.

Obschon es seiner billigkeit halber hauptsächlich das getränk
 des mittelstandes und der ärmeren bevölkerung ist, wird
es von den reichen nicht verschmäht.°) Bei den in den
höfischen versromanen des 14. und 15. jahrh. besungenen tafelfreuden
 fehlt es selten neben dem weine, obwohl es an wert-*)

 Ale, a liquor brewed from malt and distinguished from ordinary
beer by its strength: Wright, Engl. Dial. Diet. s. v. — Vgl. hingegen Murray,
New Engl. Diet. I. 759: Beer, formerly distinguished from ale by being
hopped; but now the generic name of malt liquor, including ale and porter,
though sometimes restrieted and used in contradistinction to ale.
?) Wright, Engl. Dial. Diet., s. ale.
3) Bosw.-Toller p. 85.
') Murray, I. 759.
5) Horn him zede with his To pe kinges palais. Der was brid and
ale suete, For riche men per ete: K. Horn C. 1255 ff. (Andere lesarten: per
was pe brudale suete, L; per was brydale swete, 0.)
            
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