Full text : Die deutsche Ölmüllerei

22  Die  Lage  der  Ölmüllerei  in  Preußen  vorEinführung  der  Gewerbefreiheit.
nämlich  als  Speiseöl,  als  Brennöl  und  in  den  verschiedensten
Gewerben,  wie  z.  B.  bei  der  Firnisherstellung,  als  Schmiermittel, ­
  beim  Einfetten  der  Wolle  usw.  Die  Ölkuchen  wurden
meistens  als  Viehfutter  benutzt,  zuweilen  wohl  auch  als  Düngemittel ­
  und  Heizmaterial.  Vielfach  wurden  die  Ölkuchen  ins  Ausland ­
  exportiert.
Zum  Verständnis  der  Lage  der  Ölmüllerei  Deutschlands
um  die  Wende  des  19.  Jahrhunderts  ist  es  notwendig,  sich  kurz
die  damaligen  wirtschaftlichen  Zustände  ins  Gedächtnis  zu  rufen.
Von  den  rund  10  Millionen  Einwohnern  Preußens  entfielen  im
Jahre  1804  über  73%  auf  das  platte  Land,  und  zwar  kann  man
ohne  weiteres  annehmen,  daß  der  weitaus  größte  Teil  dieser
Landbewohner  sich  von  der  Landwirtschaft  ernährte.  Eine  Folge
der  damals  überall  bestehenden  Zollschranken,  die  dem  Verkehr
nicht  nur  zwischen  den  verschiedenen  Staaten,  sondern  auch
innerhalb  der  einzelnen  Staaten  hindernd  in  den  Weg  traten,  war
es  nun,  daß  in  den  bäuerlichen  Wirtschaften  sowohl,  wie  auch
auf  den  großen  Rittergütern  des  Ostens  noch  in  großem  Umfange ­
  die  hauswirtschaftliche  Eigenproduktion  herrschte.  Auch
die  städtischen  Ackerbürger,  von  denen  Dieterici  in  seinen
„Untersuchungen  über  den  Volkswohlstand  im  preußischen
Staate“  annimmt,  daß  sie  häufig  mehr  als  die  Hälfte  der  gesamten ­
  städtischen  Bevölkerung  ausmachten,  unterschieden  sich
in  jener  Zeit  in  ihrer  Wirtschaftsführung  nicht  allzusehr  von  den
Bewohnern  des  platten  Landes.  Vergegenwärtigt  man  sich  nun
einerseits  diese  eben  geschilderten  wirtschaftlichen  Zustände,
und  behält  andererseits  ,die  doppelte  Verwendungsart  der  Öle
im  Auge,  nämlich  entweder  im  Haushalt  oder  im  Gewerbebetriebe, ­
  so  wird  es  verständlich,  daß  in  jener  Zeit  drei  verschiedene ­
  Betriebssysteme,  nämlich  Hauswerk,  Lohnwerk  und
Preiswerk,  in  der  Ölmüllerei  nebeneinander  bestehen  konnten.
Bevor  ich  jedoch  näher  auf  diese  verschiedenen  Betriebsformen ­
  eingehe  und  sie  in  ihrer  ökonomischen  Bedeutung  würdige, ­
  ist  es  zuvor  notwendig,  das  hauptsächlichste  über  das
Herstellungsverfahren  der  Ölbereitung  und  die  Technik  der  damaligen ­
  Zeit  mitzuteilen.
            
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