fullscreen: Gesellschaftslehre

Der Hilfstrieb. 
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wärtige oder künftige Leistung der Gruppe mehr als ihre alten und 
damit verbraucht und untauglich gewordenen Bestandteile. 
Ferner wirkt die Überlegenheit verstärkend auf den Hilfs- 
trieb. Dem Mächtigen, Angesehenen, Verehrten ist jeder zu helfen bereit, 
wenn er einmal in die Lage dazu kommt. Es gehört dies zu den wesent- 
lichen Wirkungen des Unterordnungstriebes. Der Mächtige kann gleich- 
sam gar nicht stark genug sein. Teleologisch betrachtet wird dadurch 
die Machtsteigerung und Machtvereinigung in einer Person befördert. 
Es wird dafür gesorgt, daß der Starke bei seinen Plänen überall auf Ent- 
gegenkommen rechnen kann. Auch hier ist übrigens wie im vorigen Fall 
angesichts der fördernden Wirkung, die im allgemeinen vom Mächtigen 
oder vom Führer ausgeht, die Bedingung der Gegenseitigkeit der Förde- 
rung erfüllt. 
5. Endlich erwecken gemeinsame Nöte in besonderem Maße 
den Antrieb zur gegenseitigen Unterstügung. Wir sprechen in diesem 
Falle wohl von einer Solidarität, die sich in dem gesamten inneren und 
äußeren Verhalten betätigt und zu den wichtigsten Seiten der Gemein- 
schaft gehört ($ 32). Das bekannteste Beispiel ist der Krieg, der die 
inneren Zwiste verstummen und die Volksangehörigen sich enger ver- 
bunden fühlen läßt. Die Nöte brauchen aber nicht durch äußeren Angriff 
hervorgerufen zu sein; sie können auch im inneren Leben entstehen in 
Gestalt von Schwierigkeiten, die an alle herantreten und zu groß sind, 
um vom Einzelnen für sich überwunden werden zu können. So finden 
wir bei den Naturvölkern und zum Teil darüber hinaus beim Roden der 
Felder, bei der Ernte, beim Dreschen und ähnlichen Gelegenheiten die 
Einrichtung der Bittarbeit: die gesamte Dorfgenossenschaft greift mit an 
hei der Arbeit, die für jede einzelne Familie zu verrichten ist. Natürlich 
handelt es sich hier zunächst um eine Sitte; aber es ist für sie jedenfalls 
eine Instinktwurzel anzunehmen. Die biologische Bedeutung der Soli- 
darität liegt auf der Hand. Es handelt sich hier um Schwierigkeiten, die 
der Einzelne nicht zu überwinden vermag, wohl aber alle zusammen über- 
winden können. Dadurch, daß jedesmal die Unbeteiligten dem Betei- 
ligten beispringen, wird das Wohl aller und dadurch der ganzen Gruppe 
gefördert. 
6. Blicken wir zurück, so können wir zwei verschiedene 
Formen bei der Betätigung des Hilfstriebes unterscheiden, die nicht 
nur durch die äußere Lage und damit die Natur des Reizes, sondern auch 
innerlich voneinander verschieden sind. Im einen Fall ist die Möglich- 
keit und Erwartung der Gegenseitigkeit durch die Verhältnisse ausge- 
schlossen, im anderen Fall vorhanden; im einen Fall hilft der Starke dem 
Schwachen, im anderen Fall gewissermaßen der Schwache dem Schwachen.
	        
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