Full text : Die österreichisch-rumänische Zollfrage

D. Ricardo,

195

muss im Verhältniss zu ihrem Reineinkommen und nicht zu
ihrem Roheinkommen stehen. Wenn 5 Millionen Menschen so
viel Nahrung und Kleidung produciren können, um dem Bedarf
 von 10 Millionen zu entsprechen, so sind Nahrung und
Kleidung für 5 Millionen das Reineinkommen. Würde es von
irgend einem Vortheil für das Land sein, wenn zur Production
dieses selben Reineinkommens 7 Millionen Menschen nothwendig
 wären, d.h. wenn 7 Millionen Menschen beschöftigt
würden, Nahrung und Kleidung für 12 Millionen zu produciren?
 Immer würde Nahrung und Kleidung für 5 Millionen
das Reineinkommen sein. Die Beschäftigung einer grösseren
Zahl von Menschen würde uns weder in den Stand setzen,
unserer Flotte oder unserem Heer auch nur einen Mann beizufügen,
 noch eine Guinee mehr Steuern zu zahlen.“
Darauf folgt eine Auseinandersetzung, dass in reichen
Ländern das Capital naturgemäss in jene Beschäftigungen fliesst,
in welchen die geringste Menge Arbeit im Inland ernährt werden
 muss — in Gewerbe, in denen die Profite im Verhältniss
zum Capital, nicht zu der angewendeten Menge von Arbeit
stehen.
Diese Ansicht, die im innigsten Zusammenhang mit dem
ehernen Lohngesetz, der Capitalvergötterung und absolut
privatwirthschaftlichen Auffassung aller Fragen steht, bildet
den Höhepunet einer wahrhaft cynischen Vorstellung von Staat
und Gesellschaft, Nicht nur, dass es keine anderen allgemeinen
 Interessen giebt als die des Capitalgewinnstes — es
ist sogar ganz einerlei, ob überhaupt Menschen leben. In
der That, Marx und seine Schüler haben solchen Lehren
gegenüber recht, wenn sie sagen, das todte Capital sei der
Beherrscher des lebendigen Menschen geworden. — Hier wie
überall besteht das Verdienst der Abstractionen und Deductionen
 Ricardo’s darin, dass die Consequenzen in fast erschreckender
 Weise die Einseitigkeit der grundlegenden Ausgangspunecte
 richten. —-Wir
 können von Ricardo nicht scheiden, ohne noch seine
Ansichten über zwei Fragen kennen zu lernen, bei deuen wir
uns an die kleineren Schriften halten müssen — nämlich seine
183*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.