Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

6. Titel: Dienftvertrag. SS 615, 616. 1027 
Neber Anrechnung von Gehakt und Zantfieme aus einer 
neuen Stellung auf Gehalt und Tantieme aus der früheren Stellung 
vgl. RGES. bei Warneyer Bd. 6 Anh. Nr. 44. 
Die anderweitige Verwertung Kann auch darin Kiegen, daß der Dienft- 
pflichtige feine Wrbeitstraft auf eigene Redhnung durch Errichtung 
zinesS eigenen SGej{dhäfts mubbringend anlegt; dies ergibt eine 
änngemäße Anwendung der Worfchrift, die gegenteilige Unficht (vgl. 
DLS, Karlsruhe, D. Iur.3. 1900. S. 364) ift nicht zu billigen (fo mit 
Recht Dertmann in Bem. 2, a, ß, |. aber auch Lotmar Bd. 2 S. 313 ff.). 
Ueber vbertragsSmidrigeSs Handeln des Dienftpflichtigen und 
N defjen Folgen val. Ripr. d. DLG. Gamburg) Bd. 12 ©S. 289. 
5. Ueber das Verhältnis des 8 615 zu S$ 124b Gew.D. val. Baum S. 275 und 
Neumann, Sahrb. Bd. I, 1 S. 343. . 
6. Da der aus 8 615 Mießende Unfpruch einen vertragsmäßigen Lohnanfprucdh 
darftellt (f. Bem. I, 2), fo hat er auch der Bejchlagnahme im Sinne des 8 1 des Sohn- 
befhlagnahmegefeBe8 zu unterliegen (übereinftimmend Dertmann Dem. 2, a, Sigel 
S. 109, Deder S. 15; a. M. Frankenberg, D. ur 1903 S. 195). 
Wegen Unabdingb arfeit des S 615 vgl. Cotmar Bd. 2 S. 314 ff. 
7. Sinlichtlih eineSs Ronkurfjes val. 8 22 Ubi. 2 KO. 
8 616.*) 
Der zur Dienftleijtung Berpflichtete wird des Anfpruchs auf die Vergütung 
nicht dadurch verluftig, daß er für eine verhältnimüäßig nicht erhebliche Zeit 
durch einen in feiner Berjon Kiegenden Grund ohne fein Verjhulden an der 
Dienftleiftung verhindert wird. Er muß fihH jedoch den Betrag anrehnen laffen, 
welcher ihm für die Zeit der Verhinderung aus einer auf Grund gefeglicher 
Verpflichtung beftehenden Kranfen- oder Unfallverfiherung zufommt. 
%, 1, 562; II, 557; IH, 609 
I. Allgemeines und Anwendungsgebiet: 
Neber die allgemeinen Orundlagen der hier vorliegenden Spezialbeftimmung 
vol. zunächit Bem. I zu 8 615. 
a) Durh S 616 werden ARE Örundnormen des BGB., namentlich über 
die Folgen der Unmöglichkeit einer Leiftung, dahin modifiziert, daß 
UnmöolicfettSzultände vom Arbeitgeber audh dann zu vertreten 
find, wenn fie in der Perfon des Verpflidhteten liegen, von diejfem nicht 
verfhuldet find und die MArbeitzbehinderung fih nur auf die in S& 616 
vorgejehene Dauer erfireckt (vgl. Sigel a. a. D. S. 57). Die hiefür 
maßgebend gewejenen @ründe find fozialpolitifdher Natur. Sie ent- 
iprechen zuguniten des Dienitverpflidteten den Rüclichten der 
Humanität (f. DR. IL, 463 und %. 11, 280 ff. . 
Die allgemeine Bedeutung des 8 616 läßt fih Kurz dahin zIu- 
Jammenfaljen: Der Arbeitgeber muß verhältnismäßig gering‘ 
Jügige BDerhinderungen des Arbeiter8 al8 Jelbftverftändlich 
hinnehmen! (vo. Blume, Recht 1902 S. 6 ff. will das Prinzip des 5 616 
nicht auf {vziale Gerechtigfeit, jondern auf Billigkeit aründen), f. ferner 
Lotmar Bd. 2 S. 196 ff., 216 ff. | 
YehnlichesS hatte {chon Urt. 60 de3 älteren HOB. enthalten (f. hiezu 
RNROGHS. Bd. 8 S. 153) und val. ferner hieher 3 133 c Ab]. 2 der Gew... 
b) &8 bleibt alio, wenn die Vorausfeßungen des Saß 1 vorliegen, der Lohn 
anipruc al8 folder beftehen, er verwandelt fich nicht etwa in_einen 
Erfabanfpruch (val. Dertmann, Borteilsausgleichung S. 40. Die in Saß 2 
aufgeftellte AnredhnungSpflicht, die hier einen minderen Umiang als 
im Sale de3 8 615 aufweift, trifft den Dienftpflichtigen und bildet teilweife 
einen Erfaß für die dem Arbeitgeber auferlegte Verpflichtung. 
Der Anfpruch aus S 616 genießt al8 Lohnanfprug au alle Brivi- 
fegien eine8 foldhen, val. au unten Dem. VI. 
*) Qiteratur: v. Blume, Recht 1902 S. 6 ff.: „Die vorübergehende Verhinderung 
des zur Dienitleiitung Verbfligteten“ und S. 188: „ES. z. BGB. Art. 32 und 8 616 BGOB.*; 
Oilje dafelbft 1902 S. 69: „Zur Auslegung des 8 616 BGB.“, |. ferner Recht 1903 S, 424 
und 1904 S, 398 (militärijhe Nebung); Nelken, D. Jur.3. 1908 S. 211 bezügliqh gewerbh: 
licher Arbeiter und Siehr, D. Zur. 2. 1904 S. 1133. 
rpm
	        
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