10. Titel: Auftrag. Borbemerkungen. 1175
Der Auftrag im teHniidhen Sinne verpfligtet den Beauftragten zZUr Bejorgung des
übertragenen Gejchäft8, gibt ihın aber kein NedhHt Hierauf. Berechtigt {ft alfo zunächft nur
der Auftraggeber, wenn auch die Entjtehung verfhiedener Anfprüche in der Perfon des
Beauftragten. möglich ijt (SS 669, 670). Der Yuftrag ift daher fein gegenfeitiger Ber:
irag im Sinne der 88 320—327, jondern ein jog. undollkommen zmweifeitiger
Gertrag (j. Bem. 1 zu 8 320, Dertmann Borbem. 2, b vor diefem Titel, Pland Vorbem. IM,
Enneccerus 8 380, I, 1, Dernburg $ 294, I, Schollmeyer S. 120, Crome 8& 2538, I; and. Unf.
im Himblid auf die Borihußpfliht des Auftraggeber? Kohler S. 591 Note 2).
Neber die weiteren BorauzZjeßungen des Auftrags f. Bem. 2 zu 8 662; über
8 orm, Gegenitand, Inhalt und Umfang des Auftrag? f. Bem. 3, 4 und 5 zu $ 662
8. Verhältnis des Auftrags zu verwandten NRecht3begriffen.
a) Auftrag und Bollmadht wird vom BGB. jharf unterfjhieden*) (vgl. Urt.
5, NeichSger. vom 14. Juni 1909 ROGE. Bd. 71 S. 222.) Der Auftrag ann
5ahin gehen, daß der Beauftragte im Namen des Auftraggeber3 Handle.
ft dies der Fall, fo liegt eine durch Recht3gejhäft erteilte Vertretungsmadht,
alfo Vollmacht (f. S 166 Abf, 2) vor und e8 fommen die Borfchriften der
38 164 ff. zur Anwendung. Der Auftrag ann aber auch dahin lauten, daß
der Beauftragte im eigenen Namen Handle (vgl. Urt. d. RKeichSger. vom
i9. Mai 1908 Recht 1908 Nr. 2456). Umgekehrt fann eine Vollmacht erteilt
‘ein, oOne daß ein Auftrag vorliegt, was inzbejondere bei 109. Generalvol-
machten Häufig vorkommt (M. II, 595, 36. II, 328, Endemann I 881 Anm. 3,
Neumann Borbem. IV, Derimann Borbem. 1, Filcher-Genle Vorbem., SGoldmann-
Zilienthal S. 206, Dernburg $ 294, IT, 295, I; vgl. au Befchl. d. Kanımerger.
om 9, Februar 1908 Ripr. d. OLG. Bd. 7 S. 4 ff.); über da3 gemeine Necht
„. WindiGHetd-Lipp, Pand. Bd. 2 S. 799; das PLN. (Tl I Dit. 13 885 6 ff:
‚von Bollmachtsaufträgen“) und daz BER. (31. IV cap. 9: „von der VBoll-
macht [mandato] und anderen ähnligen Handlungen“) vermijden beide Begriffe
ollftändig; über andere Kechte 1. MM. IL, 525 Note 2. Im Geichäftsleben wird
ireilich zwijhen Auftrag und Vollmacht Häufig nicht fharf unter{chieden, {o daß
ine Bolmacht zur Vertretung bei Verhandlungen regelmäßig aud als Auftrag
zur folgen Verhandlungen ZU erachten fein wird (Jo mit Recht Urt. d. ReichSger,
Dom 5. Oktober 1908 Recht 1908 Nr. 3409).
Der Unterfchied zwifhen Auftrag einerieit3, Dienit= und Werkvertrag
anderfeit8 (val. ZOG. II, 329 ff, VI, 439 ff.) Befteht hHauptfächlich darin, daß
in twejentliches Begriffsmerimal des erfteren ie Unentgeltlidh Feit bildet
al. Bem. 2, c zu $ 662). Daneben befiehen wichtige VBerjchieden heiten hin-
üchtlich des KündigungsSredht8 (vgl. bayr. Oberft. LG. Bd. 4 S. 587 ff.) Neber-
Dienfi= und Werkverträge, die eine Gejchäftsbeforgung zum Gegenftande
haben, f. $ 675 und Bem. Hiezu.
Bon der Verwahrung (S& 688)*%) unterfcheidet ih der Nuftrag dadurch, Daß
ji die Pflicht des Berwahrers in der Aufbewahrungspflicht erichöpft, mährend
ben Gegenftand des Auftrags eine weitergehende Tätigkeit des Beauftragten
bildet (Dertmann Vorbem. 4, b vor 8 662, Borbem. 6, b vor S 688; vgl. bayr.
Dberit. LG. Bd. 13 S. 548 ff. und Seuff. Urg. Bd. 45 Nr. 14).
MNeber das Berhältniz des Auftrag zur Anweifung j. Urt, d. OLG, Bamberg
dom 7. Januar 1905 Ripr. d. OLG. Bd. 10 S. 183 und Borbem. IV, c vor
38 788 ff.; über den Gegenjaß zwifchen Auftrag und Gefjelljhaft fa Urt.
d. NeichSger. vom 4. Oktober 1905 Yur. Wichr. 1905 S. 682 ff.
3}
*) Bol. M, Bing, Das Verhältnis des AuftragS zur Bollmakht vom Standpunkte
de8 modernen wie des römtjhen NKechtS unter Beurteilung der Labandfgen Theorie, Er.
Difi., Köln 1897; L. Kuhlenbedk in Iur. Wichr. 1896 S, 577 ff.
*%) Mal. R. Schneider, Debofitum und Mankat, Erl. Inaug.Diff., Sfien 1899,