Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

10. Titel: Auftrag. 8 676. — 11. Titel: GejHäftSführung ohne Auftrag, Vorbemerkungen. 1209 
Gern und ftellt ihm Hinfihtlih feiner übrigen VerpfligHtungen einem Beauftragten 
glei), Ir den SS 683—685 find die An fprüche des Gejchäftsführers geregelt, & 686 behandelt 
den Irrtum über die Berfon des Gejhäftsherrn, S 687 die fog. „unedhte“ SGeflchäft&: 
Übhrung ohne Auftrag. 
2. Begriff und rechtliche Natur der GejhHäftsführung ohne Auftrag. Sejhäftsfihrung 
One Yufırag ift die Beforgung eine3 Geihäft8 für einen anderen ohne 
deffen Auftrag und ohne fonftige ihm gegenüber vorliegende Berechti- 
ZUng Hiezu (8 677). Ueber die einzelnen Begriffsmerkmale |. Bem. 2 zu 8 677. 
, Handlungen, die rein gefellidaftlidhen GefälligkeitSverHältnijjen ent- 
bringen, fallen nicht unter 88 677 ff. (vgl. Bem. 2, a zu 8 662). 
Die Gefchäftsführung ohne Auftrag erzeugt zwar rechtliche Wirkungen, i{t aber kein 
RedhHt8gejhäft (M. II, 860; vol, Bd. I S: 347 Ziff. 2; |. auch S. 364 Bem. 1, b zu 8 105; 
:Benfo Siay a. a. OD. S. 104 ff., Dertmann Borbem. 1, Brücmann a. a. OD. S. 11 Anm. 1, 
land Borbem IV, Cvojad I 8 155, I, 4, a, Qasler S. 17, Bent S. 51 f., B. Kein im Siterr. 
Zentral-Bl. f. d. jurifi. Praxis Bd. 28 S. 648 ff., ROR.-Komm. Korbem. 1; anidheinend auch 
Dernburg 8 299 Ann. 2; and. Anf. Endemann I 8 178 Anm. 3 und Baring im fächt. Arch. 
Bd. 14 S, 532 ff). Dementiprehend {tellte €, I die Gejhäftsführung ohne Auftrag neben 
der Bereicherung, der Gemeinfhajt, der Borlegung und der Offenbarung unter die „einzelnen 
Schuldbverhältnifie au8 anderen Gründen“ (al8 Rechtagefhäft und unerlaubte Gandlung). 
Die nunmehrige Anordnung entfpriht der nahen Verwandtjhaft zwiihen YNuftrag und 
Gefchäftsführung odne Auftrag (die gemeinrechtlihe Lehre behandelte die negotiorum gestio 
bald unter den Forderungsrechten aus vertragZähnligen Gründen, jo Windijcheid-Kipp, Pand. 
®d: 2 S, 911 ff, Bald im Anichluß an das Mandat, fo Dernburg, Band. Bd. 2 88 121 fl. 
das BLNR, [Tl IV cap. 13 S 2] betrachtete die negotiorum gestio al8 Quafifontraft; über 
Andere Rechte f. M. II, 854 Note 2). 
Ueber die Frage, inwieweit die VBorfhriften über Stellvertretung auf die 
SejHäftaführung ohne Auftrag anmendbhar find, |. Kein a, a. DO. S. 651 ff. 
8, Bei einer Mehrheit von Gejhäftzherren oder Geihäftsführern finden die allgemeinen 
Borfhriften (88 420 ff.) Anwendung (WM. IL, 858; vgl. jJädl. 6. S& 1350). 
4, Die Haftung des Gejhäftsführers bemikt ih im allgemeinen nad) den 88 276 und 278; 
er haftet alfo für Borfag und FahrLäiftgieit (€, I, 749 Abi, 1, ML. IT, 857, B. IL, 726, 727; 
91. Dernburg, Band. Bd. 2 8 122 Anm. 25, Windjcheid-Lipp, Band. Bd. 2 S. 915 Anm. 5, 
ÖCR. Il, IV cap. 13 82 Ziff. 2; über andere Mechte j. M. II, 857 Note 3); für den Erfolg 
Sraucht er grundjäßlih nicht einzuitehen. » 
Eine Erweiterung der Haftung tritt ein, wenn die Nebernahme der Ge[häftsführung 
Mit dem Willen deS Gejchäftsherrn im Widerfpruche fteht und der Geichäftsführer die erkennen 
mußte (S 678, {. au) & 679), eine Befchränfkfung der Haftung dagegen, WENN die 
Sefhäftsführung die Abwendung einer dem SGejchäftsheren drohenden dringenden Gefahr 
’Wwectt oder der GejHäftSführer gefhäftsunfiähig oder in der Geichäft3fähigkeit befchränkt {it 
(88 680, 682). 
5. Die au8 der Gejhäftsführung sone Auftrag bereit? entftandenen Anfprüche gehen 
beiderfeits nad Maßgabe der allgemeinen Grundjäge auf die Erben über (WM. IL 859). Bur 
Fortjehung eines von dem Gejchäftzfülhrer angefangenen Gejchäftz dagegen ift defien Erbe 
nur infoweit verpflichtet, al8 der Gejchäftsführer jelbft zur Fortfegung verbflichtet wäre 
(Bem. 3, € zu 8 677), Ebenfowenig befteht für den Erben des Geichäftsführer3 die Ver- 
Pflihtung, deffen Tod dem Gejhäftsherrn anzuzeigen (vgl. & 678 Sag 2; and. Anf. Pland 
Ben 8, a zu 8 677, Dertmann Bem. 3 zu 8681 a. E. und ROGK.-Komm. Bent. 2 zu S 681). 
6. Die Anfprüche aus der Gefhäftsfüährung verjähren in der regelmäßigen SFrilt von 
30 XYahren (8 195). Dies gilt au) dann, wenn der Gefchäftzführer einen Gläubiger des 
Sejchäftsherzn beiriedigt Hat, deffen Anjpruc einer Kirzeren Verjährung unterlag (vgl. hÖR = 
Romm. Borbem. 3, Urt. d. Meichsaer. dom 16. November 1908 RGE. Bd. 69 S. 429). Db
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.