Metadata: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit. 
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Folgendes : Mit dem Beginne der Mannbarkeit tritt in der Regel für beide 
Geschlechter ein Minimum der Todesfälle ein. Dann erfolgt eine Ver 
mehrung derselben, zunächst bei den Frauen ; nur in dieser kritischen 
Periode (in der die ersten Wochenbetten mehrfache Opfer fordern) haben 
sie stärkere Verluste als die Männer. Bei den letzten erfolgt die Steige 
rung etwas später; vom 21. — 25. Jahre stellen sich bei ihnen ansehn 
liche Einbussen ein; kaum ein Zweifel, dass die grosse Sterblichkeit im 
Militär auf die betreffende Ziffer ein wirkt. Darauf mit 30 Jahren ein 
zweites Minimum bei den Männern. Vom 40. Jahre an starke Zunahme 
der Sterblichkeit bei beiden Geschlechtern. 
In England berechnete man die längere Lebensdauer der Frauen 
durchschnittlich zu 2 Jahren; Milnes fand sie in Schweden 3,2, Marc 
d’Espine in Genf 3,5 Jahre. Für Frankreich ermittelte Legoyt 1851 
bis 1853 einen noch viel grösseren Unterschied, und zwar sowol was 
das mittlere Alter, als was die wahrscheinliche Lebensdauer 
betrifft, nemlich : 
Wahrsch. Lebensdauer der Männer 36 J. 3 M. Mittleres Alterd. Männer 35 J. 3M. 
- Frauen 40 - - Frauen 42-lOM. 
Untersch. zu Gunsten der Frauen 3 J. 9 M. Untersch. zu Gunsten d. Fr. 7 J. 7 M. 
Unter den Versicherten der Gothaer Lebensversicherungsbank war 
nach den genauen Beobachtungen, welche Hopf im Bulletin de la Com 
mission centrale de statistique de Belgique Tom. VIII. pg. 507 mittheilt, 
in den Altern von 20—40 Jahren die Sterblichkeit des weiblichen Ge 
schlechts noch einmal so gross wie die Sterblichkeit des männli 
chen; vom 40. bis 60. Jahre war die Sterblichkeit beider Geschlechter 
gleich, vom 60. bis 70. Jahre war die Sterblichkeit der Frauen ge 
ringer als die der Männer, und jenseits des 70. Lebensjahres wurde 
sie wieder grösser. 
Einwirhingen guter und schlimmer Jahre auf die Lebensverhältnisse, 
Wie gross diese Einwirkung, haben wir schon gelegentlich angedeutet 
(z. B. S. 55 — 58, Frankreich, Zahl der Heirathen, Geburten und 
Sterbfiille in guten und schlimmen Jahren). »Es klingt eben nicht poe 
tisch, ist aber trotzdem wahr, dass die Menge der Ehen in jedem Jahre 
von den Kornpreisen abhängt. Je wohlfeiler das Brod, desto mehr Ehen, 
und umgekehrt.« Sodann kann man bei jeder Truppenaushebung wahr 
nehmen, ob das Jahr, dem die Aufgebotenen angehören, eine reiche, 
mittlere oder schlechte Emdte geliefert hatte. Die Conscribirten aus 
1 heuerungs- und Nothjahren bleiben nicht nur der Menge nach unter 
der Mittelzahl, sondern sie sind auch im Durchschnitte weniger kräftig 
und kleiner, indem verhältnissmässig weit inehr von ihnen als sonst 
das Normalmaas nicht erreichen.*) So bestätigt sich die Bemerkung des 
trefflichen Quetelet; »Es scheint, dass Nothjahre ihr Gepräge der mensch 
lichen Gattung tief eindrücken, ganz so, wie strenge Winter ihre Spur 
in dem Holzwuchse unserer Wälder zurückzulassen pflegen.« — Beson 
ders erschreckend treten aber die Wirkungen der Theuerungsjahre in 
Man hat lange geglaubt, die kinderreichen Jahre lieferten die meisten 
Sterblinge. Die Vitalitätstafeln von Hermanns beweisen die Unhaltbarkeit die 
ser Unterstellung wenigstens als Regel, ganz übereinstimmend mit der oben 
erwähnten Wahrnehmung. 
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