Full text : Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

1432 VIT. Abfdhnttt: Einzelne Scehuldverhältniffe,

AseCn dieje Borfchrift, {jo ift der Bürge frei. AuS dem Umftande, daß S 772 nur von
ürgfdhaften für Geldjorderungen fpricht, darf nicht gefchloffen werden, daß die Beltims
mung des S 777 Abf. 1 Saß 1 auf Bürgi{chaften für andere N unanivendbar
fei (Crome S 298 Anm. 28, Schollmeyer S. 179, Bland Bem. 4, a). ürgichaft auf
Beit im Sinne des $ 777 liegt nicht {hHon um deswillen vor, weil die Hauptichuld an
einem beftimmten Tage fällig ijt (Urt. d. DLG. Dresden vom 6. Februar 1902 Jächt.
rh. Bd. 12 S. 498). ;
. Steht dem Bürgen, waS der Gläubiger auf eigene Gefahr prüfen muß (Windicheid-Ripp,
 Band. Bd. 2 S. 1104), die Einrede der Vorausklage nicht zu 88 771—773),
jo muß der St oDbne vorherige Inaniprudhnahme des Haupt»
1OuldnerS dem Bürgen nach AWblauf der befitimmten Zeit ohue Thuldhaftes Zögern
anzeigen, daß er ihn in Anfprucdh nehme, widrigenfal8 der Blirge frei wird.
Bei rechtzeitiger Erftattung der Anzeige dauert die Haftung des
En fort; fie be ränfkt {ih aber auf den NM den die Hauptverbindlichteit
bei EU, be8 Verfahrens gegen den Hauptfchuldner oder, wenn dem Bürgen die
Einrede der Borausklage nicht zufteht, beim Ablaufe der beftimmten Zeit hat. Erweiterungen,
 welche die a nach diefem Zeitpunkt erfährt, berühren alto
den Bürgen nicht; er haftet insbefondere nicht für die [päter fällig werdenden Zinfen.
‚Die „Anzeige“ ift ein einfeitigeS empfangsbedürftiges Nechtsgefchäft (88 130 ff.)
und nicht ALT (Bland Wem. 4, b, Dertmann Bem. 1, a, Ripp in der Feitaabe
der Iur.Gef. zu Berlin für NR. Koch S. 118, Fifher-Henle Note 6, Urt. d. MNeichsger.
„om 24, September 1902, NGONR.-Komm. Bem. 2; teilweife and. Anf. Klein a. a. DJ).
, Daß die Vorausfeßungen der fortdauernden Haftung des Bürgen erfüllt worden
find, hat der Gläubiger zu beweifen (ebenfo Crome $ 298 Unm. 31, Dertmann Bem. 1, b,
land Bem. 5, Zilher-Genle Note 8).
3. Die Beftimmungen des 8 777 gelten nur für den Fall, daß fich der Bürge für
zine beitebende VBerbindlichfeit auf beftimmte Zeit verbürgt hat. Ueber die Büroichaftsiübernahme
 auf Zeit für eine Fünftige Verbindlichkeit (mozu insbefondere die {og.
Rreditblrg{chaft ‚gehört, f. Bem. 6, a, £ zu S 765), enthält daS Gejeß keine VorfchHriften.
In der Kegel wird in folden Fällen anzunehmen fein, daß eine Verbürgung für die inner:
halb der beftimmten Beit entitehenden, wenn auch noch nicht fälligen Nerbindlichfeiten
 gemeint ijt, daß allo der Umfang der Haftung des Bürgen befchräntkt,
nicht die Dauer feiner Haftung zeitlich begrenzt fein foll (M, II, 681, RB. Il, 485,
Windfheid-KCipp, and. Bd. 2 S. 1104, Dertmann Bem. 3, b zu 8 765, Bem. 2 zu 8 777,
Soldmann-Likenthal S. 823 Anm. 4, Plan Bem. 7, Filcher-Genle Note 1, Dernburg
3 286, IL, 3, Ecd-Leonhard S. 573; ebenfo Urt. d. Meichsäger. vom 1. März 1906 ROSE.
Bd. 63 S. 11, vol. auch Urt. d. DL®. Dresden vom 27. Mai 1902 RKipr. d. DLSG.
Bd. 6 S. 450). Ergibt aber die Auslegung bei einer Bürglchaft für fünftige Ver
bindlichkfeiten, daß die Zeitbeltimmung nicht den Kreis der Forderungen, jondern die Bürg-Ichaftsverpflichtung
 fjelbft begrenzen follte, fo ijt S 776 ent{prechend anwendbar (Urt. D.
Neichsger. vom 18. Februar 1909 in RNONR-Komm. Bem. 1).
Hinfichtlidh der Kündigung f. unten Bem. 5.
2 4. 8 777 entbält dispofitives Recht; die Barteien Fönnen alfo (au8drücklih- oder
itilfdhweigend) abweichende Vereinbarungen treffen (vgl. Urt. d. Reichager. vom 13. Suli
1903 Yur. Wichr. 1903 Veil. S. 115, das einen Verzicht des Bürgen auf Die zeitliche
Befhränkung feiner Haftung darin erblickt, daß er der Stundung des Kapitals durch den
Släubiger „auf einige Zeit“ zuftimmp).
5. Ob und unter welden VBorausfeßungen der Bürge berechtigt ift, eine für
fünftige Verbindlichteiten übernommene Bürafchaft zu Fündigen, kann nur nach Lage des
einzelnen Dr dur Auslegung des N ent{chieden merden (MM. IN, 682;
ebenfjo Plan Bem. 8 zu S 776, Neumann Mote 2, Ecciu8 in Sruchot, Beitr. Bd. 46
S. 55ff.; nad Dertmann Bem, 1 zu 8 776 fol bei einer auf unbeftimmte Zeit über
rommenen Aredithblirgfchaft der Blüirge im Zweifel berechtigt fein, nad) Ablauf cine8 den
Umfränden entfpredhenden Zeitraums die Bürgfchaft zu Kfündigen; ähnliH OGOoldmanı-Gilienthal
 S. 823 Ynm. 4, Ennecceru8 S. 509, Dernhurg 8 290, IV; val. au Dernburg,
 Band. Bd. 2 8 78 Anm. 6, NOG®G®. Bd. 19 S. 111). Steht freilich dem
Gläubiger das Widerrufsrecht nach 8 610 zu, fo wird auch dem Bürgen das Recht zur
Kündigung nicht Ne werden. fönnen (Dertmann und Ennecceru8s a. a. D.; |. auch
Ecciu8 a. a. OD. S. 65 Anm. 2).
| 6. Ueber die Unanwendbarfeit des S 777 auf die Wechfelbürgiehaft (WO. Art. 81)
|. Urt, d. Reichsger, vom 12. Januar 1903 IJur. Widhr. 1903 Beil. S. 43; über die Unantvendbharfeit
 des S 777 auf zeitlich begrenzte Verpfändungen f. Urt. d. Neichsger.
vom 1. Wpril 1908 NGE, Bd. 68 S. 144.
            
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