S$ 782, — 21. Titel: Anweifung. Vorbemerkungen.
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Sinundztwanzigiter Titel.
Anwveifung. ©)
KErläutert von Dr. Karl Kober.)
Vorbemerkungen,
1. Das Anweifungsredht des BGB. kommt den Bedürfniffen des modernen Verlehr3-
lebens entgegen — aud) über den Rahmen de8 rein hHandelsrechtlidhen Verkehr8 hinaus! —,
iließt ich aber in der Hauptjacdhe den Lisherigen HandelSrechtliHen Normen an.
Die ältere Theorie (vgl. insbejondere Thil, Handelsrecht I S 325) faßte die An-
weifung al8 eine Berbindung zweier Aufträge (Doppelmandat) auf, nämlich eines Ein-
faffierungs3= und eines Zahlungsmandats.
Die neuere Doktrin drang zu der Erkenntni3 vor, daß weder ein Einkajfierungs»
mandat für den Anmweijungsempfänger noch auch ein Zahlungsmandat für den Angewiefenen
aotwendig mit dem Begriffe der Anmweifjung verbunden fei, daß vielmehr die Anweifung
än jelbjtänbiges Redht3inftitut feti, das den veridgiedenften mirtidaftiiden
Bwerden dienen könne.
Septerer Auffalfung fließt [ih das BGB. an und betrachtet die Anweifung al8
die von dem Anweifenden dem Anweifjungsempfänger erteilte Ermächtigung, un-
abhängig von dem ihr zugrunde Kegenden Necht2verhältnis eine Leiftung bei dem Ange:
ibiefenen in eigenem Namen zu erheben, verbunden mit der Ermächtigung des
Angewiefenen, für Nednung de Anweiflenden an den Anweifungsempfänger zu leijten
(f. 8 783 mit Ben).
JE, Bufolge diefer ihrer felbftändigen Natur i{ft e& bei der Anweijung nunmehr gleich:
gültig, welde Umftände den Zwed und Grund der Anweifung bilden, ob fie 3. B. zur
Tilgung einer Schuld des Anweifenden an den An weifungsempfänger dient oder
ob fie erft das Mittel zur Begründung einer Schuld des Anmweijungsempfänger8 an den
Unwejenden fein fol oder ob fie aus bloßer Liberalität des Anwefenden erfolgt 20. Diele
8o8löfung ift die gleiche wie bei dem Schuldverfbrechen (S 780) und dem Schuldanerkenntnifie
8 781).
Cbenfo ft Hinfihtlih der Berfon des Angewiejenen einerlei, ob diefer bereits
Schuldner des Anweifenden war oder nicht. Val. hiezu 8 783 mit Bem., fjowie 8 787
mit Bem.
JIL, Das Gefjegbuch regelt aber nur die fehriftliHe Anweilung, welche die Leiftung
von Geld, Wertbahbieren oder anderen vertretharen Sagen zum Gegenftande
jat. Neber andere Formen f. Bem, II zu 8 783 und val. Hiezu auch Bem. III zu & 783.
*) Qiteratur: ©. Cohn in Endemannz Handbuch des Gandel8reht3 Bd. IN
S. 1098 {ff.; ©. Wendt, Das allgemeine Anweijungsrecht 1895; LZenel in Hherings SJahrb.
Bd. 36 S, 113 ff.; Plucin8ki im Archiv f. d. zivilijt. Praxis Bd. 60 S. 352 f,; KuhHlen-
bed, Bon den Bandekten z. BGB. II 8 36 S, 239 ff.; Kahl, Die bürgerlidhe Anweifung,
Diff. Erlangen 1899; Zahand Paul, Anweifung, Archiv f. d. zivilift. Praxis Bd. 74 S. 331 ff.;
Wieland, Die Ermächtigung zum Leijtungsempfang, dafelbjt Bd. 95 S. 161 f.; SYakobi,
Wertpapiere (1901) S. 292 ff.; Gunz, Das Vollgiro zu Inkaffozweden, Berlin 1903;
9. uhr, Zur Lehre von der Anweifung in IJhering3 Yahrb. Bd. 48 S. 1ff.; |. ferner aug
Dertmann, Aufrednung und Anweifung, Recht 1905 S. 33 f.; Wienjfjtein, Zur Frage
ber Abgrenzung de8 Gebiet3 der Anweijung, Recht 1906 S. 1418; Lent, Die Anweifung
als Bollmacht und im Konkurje, 1907; Danz, Widerruf von Kreditzufagen, Bant-Archiv
85.6 S. 97; Zaur, Zur fog. mündlichen Anmweijung, Bayr. 3. f. N. 1907 S, 73; Nez,
Nehtlidhe Betrachtung des Giroverlehr3, Arch, f. bürgerl. R, Bd. 30 S. 47; Kiechl, Die An-
weilung, Münden 1908; Ndler, Goldihmidi3 Biichr. Bd. 64 S. 159 ff,