Full text : Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

25. Titel: Unerlaubte Handlungen. Vorbemerkungen, ” 1581

b) wer au3 Borfag oder FahHrläfligteit dur eine widerrechtliGe Handlung das
Recht eine8 anderen verleßt hat, au wenn die Entitehung eines Schadens
nigt vorauszujehen war.
8) QU3 miderrechtlih folte nad S 705 auch die fraft der allgemeinen Freiheit an
RQ erlaubte Handlung gelten, wenn fie einem anderen zum Schaden gereicht
und ihre Bornahme gegen die guten Sitten verftößt.
Die SchadenZerfaßpfliht murde hienad nicht an einzelne beftimmte Tatbejtände ges
Inütpft, Jondern allgemein al8 die möglige Folge einer jeden unerlaubten Handlung hingejtelft.
 „Unerfaubt“ fjoHlte eine Handlung jein, wenn fie widerrechtlih it, d.h. wenn fie einem
abfoluten Gebot8= ober Verbot8gefeß, inZbefondere einem Strafgefebe, zuwiderlänuft (8 704
Ab1. 1) oder die Verlegung des einem anderen zufiehenden abfoluten Rechte3 enthält (8 704
X6f. 2) oder, ohne durch ein fubjektives Recht geftattet zu fein, gegen die guten Sitten ver:
tößt (8 705; M, II, 725 ff., 3®. II, 394 ff., VI, 510 ff.)
Im der IL Komm. wurde gegenüber dem S 704 Abi. 1 des €, I eingewendet, e8 gehe
zu weit, jeden Befchädigten ein Recht auf EntjqHädigung zu gewähren, ohne Rücficht darauf,
ob da verleßte Gefjepg zum Schuße der gefchädigten Interefjen Geftimmt fei. Anderfeit®
verfümmere der Entwurf da3 Mecht des unmittelbar Betroffenen, indem er defjen Anfpruch
davon abhängig mache, daß der Urheber des Schaden3 deffen Entftehung Habe voransiehen
fönnen (BB. IT, 571 fi.; Dal. Jacubeziy, Bem, S, 161). Demagemäß beftimmte € II 8 746
Abi. 1 Sag 1:
„Wer vorfäglich oder fahrläffig ein Recht eines Anderen widerrechtlich
verleßt oder wer gegen ein den Schuß eine Anderen hezwedendes WGejeß ver
ößt, Yt dem Anderen zum Eriaße des dadureh verurlachten Schaden3 ver:
pilichtet.“
Von der ReihStagsfomm, wurde die SchadenzZerfakpfliht wegen fog. iNoyaler Hand»
lungen auf Handlungen ausgedehnt, die in Ausübung eine8 fubiektiven Rechte vorgenommen
merden (KRITIK, 99).
3, Ju feiner nunmehrigen Geftalt Inüipft das Gejeß die SchabenZerfaßpfliht wegen
unerlaubter Handlung im allgemeinen an die Borausjegung, daß jemand
a) vorfäßlich oder fahHrläffitg da8 Recht eine8 anderen widerrechtlih verleBßt
(8 823 Ybf. 1) oder
b){iHuldhHaft gegen ein den Schuß eineS anderen hezwedende8 Gefeß verftohen
{8 823 Ybf. 2) oder
+) in einer gegen die guten Sitten verftoßenden Weile einenı anderen vorfjäßlich
Schaden zugefügt Hat (8 826).
Danchen enthalten die SS 824, 825, 831, 832, 833 Say 2, 834, 836—839 den Tat-Jeftand
 einiger befonder3 geregelter unerlaubter Handlungen; au fie jeßen ein Berz
iqQulden des Erfaßpflichtigen voraus, doch ift die Beweislaft in einzelnen Fällen (88 831,
332, 8383 Sag 2, 834, 836—838) zugun{ten des Verlegten geregelt. Unter gewijfen Boranslegungen
 endlich tritt die Erfaspfligt unabhängig von jedem VBerfjhulden des
Eriaßpflichtigen ein (SS 829, 833 Sag 1, 885; dem €. I waren {olde „Quafidelitte“ uns
befannt, j. M. II, 744 ff.) *) Neber die weitere Ausgeftaltung der „SGefährdungshaftung“
[. de lege ferenda bie beachtenZwerten Bemerkungen von Riedel a. a. D.; vgl. auch Bem. II,
Czu 8 828, Pland Borbem. 1, ferner-S8& 1 ff. des Haftpflihtgef. vom 7. Juni 1871 und
58 7fi. des Gel. Über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Mai 1909.
Neber die Gründe, aus welden daz Gefjeß einzelne Lefondere Delikte de8 früheren
Mechte3 nicht felbjtändig geregelt hat, {. M. II, 746 ff. Die der gemeinrechtliden actio de
dejectis et effusis und actio de posito vel suspenso nadchgebildeten Beftimmungen der
8S 729—733 des €. I hat die II. Komm. al8 entbehrlich befeitigat (M. II, 803 ff, AG. IM,

>) Vgl. hHiezu inZbejondere N, Müller-Erzbach, Gefährdungshaftung und Gefahr
ragung, Archiv f. d. zivilıt. Braris Bd. 106 S. 309 ff. (Weitere Literaturangaben datelbit
5. 312 Mnu. 4).
            
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