Full text : Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

VII Abighnitt: Cinzeine Schuldverhältniffe.

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d) Für den Erfolg der Erziehung einzuitehen, find Eltern nicht verpflichtet;
zu prüfen ijt vielmehr mur, „was unter den vorlieg enden Umftänden
beritändige Eltern nach den vernünftigerweije zu ftellenden Anforderungen
zur Erfüllung ihrer Muffichtspflicht hätten tum mülfen“ (Urt. d. Neichsger.
vom 30. Dezember 1901 ROE. Bd. 50 S, 60 {f., inSbef. ©. 64 ff.; vgl. biezu
Staub in D. ur 3. 1902 S. 427, 1. auch Haake ebenda 1903 S. 145 ff.)
War die fchädigende Handlung eine foldhe, die eine befondere Mufficht exforberlich
 machte, {p genügt eS allerdingS nicht, wenn nur Um allgemeinen
die zur Yurfficht erforderlidhen Maßnahmen getroffen worden {ind (and, nf.
anfcheinend Urt. d. DLSG. Kiel vom 29. April 1901 Kipr. D. OLG. Bd. 2
S, 458 ff). Chenjowenig kann fih der Auffichtöpflichtige Durch das bioBe
Berbot der {häbigenden Handlung entlajten, falls er Orund zu der Unnahme
 hatte, daß diefes Verbot feine Beachtung finden werde (Urt. d. DLSG
Rolmar vom 18. Oktober 1901 Recht 1902 S. 236).
Yeber die Anwendbarkeit der SGrundfäge der 88827, 828 auf den Huffichtspflichtigen
 |. Borbem. 3 vor 8 827 (vgl. auch Urt. d. OLG. Kolmar
vom 21. uni 1905 Rıpr. d. DL®G. Bd. 12 S. 115 ff). Die UuSnahmebeftimmung
 de8 8 829 ijt auf die Fülle des S 832 nicht anwendbar (val.
Bem. 6, € zu $& 831, f. aber au unten em. VI).
Darüber, daß die an die Auffichtspfliht des Lehrer3 zu itellenden AUnforderungen
 nicht überfpannt merden dürfen, f. insbefondere die zutreifenden
Bemerkungen von Dertmann Bem. 1, a.
„2, Die Erfaßpflicht_ift ferner mangel8 de8 erforderlichen Kaufalzufammenhangs
aus8geldhloNen, menn der Schaden aum durch gehörige Nuffidhtsführung nicht
bermieden worden märe Dval. Bem. 4, b zu $ 831 und Urt. d. NeichSger. vom
1. November 1909 Recht 1910 Nr. 72). Durch die bloße Möglichkeit, daß die Schädigung
auch bei gehöriger Äuflichtsführung eingetreten wäre, wird die Erfaßpflicht nicht befeitigt
(Urt. D. Meichager. vom 9. Dezember 1909 Warneyer Erg.-Bb. 1910 S. 61).
YV. Beweislait. Den: Köäger obliegt der Nachweis, daß der Schaden durch die
widerrechtlihe Handlung einer minderjährigen oder wegen ihres geiftigen oder körper:
(ichen Buftande3 der Beauffichtigung bedürftigen volljährigen Berfon verurfacht worden
und daß der Beklagte frajt GeiekeS oder Vertrags auflichtöpflichtig ift. Der Beklagte
dagegen hat darzutun, daß er feiner Auffichtspflicht genügt hat oder daß der Schaden
auch bei gehöriger Nuffichtsführung entftanden fein wiirde Nach €. I follte au dhinfichtlich
 diefer beiden Latiachen der Kläger beweispflichtig fein; Die IL ®omm. erachtete
e8 jedoch Tür zwecmäßiger, von dem Yuffichtspflichtigen, der ‚Teicht imftande fei, die
Oründe feines Verhaltens darzulegen, die Erbringung des (Entlaftungsbeweifes zu fordern,
al8 von dem Bejchädigten die Herbeifchaffung der belaftenden Viomente SR. I, 735,
8. 11, 595 {f., cod. civ. art. 1384); vgl. Neumann Note 3, Kuhlenbeck Note 2, Ficher-Genie
 Note 7, Crome S 333 Anm. 40, 41, 45, 47.
WI ©6 der Täter felbjt für den von ihn verurfacdhten Schaden verantwortlich
it, bemißt {ih nach den SS 827, 828. Ift hienadh Die Haftung des Täters en 10
mird jeine Erfabpilicht durch die gemäß S 832 begründete Crfabpflicht des Yufjichtspilichtigem
 nicht berührt. Sind beide Teile verantwortlich, fo Gatten fie als GefamtjOuldner,
 mährend in ihrem Merhältnifje zueinander der Täter allein verpflichtet ift, falls
lich nicht aus ihrem VBerhältnifje zueinander etwa3 anderes ergibt (8& 840 Abi. 1, 2; vgl.
SR. 11, 735). Sit von dem Yaurlichtspflichtigen Erlaß nicht zu erlangen, fo kann der nach
den 88 827, 828 nicht verantwortliche Täter nach Maßgabe des $ 829 zum Schadenserfaß
angehalten werden. Ir ihrem Verhältnifje zueinander {it in dieflem Kalle der AWuffichtSvpMichtige
 allein verpflichtet (S 840 YAbf. 2).
VI Ueber die Haftıuna des Gewalthaber8, Bormundes und Pflegers gegenüber
Sr au Eee De MRerion |. SS 1664, 1686, 1833, 1897, 1915 (f. auch oben
Dem. 11, 3).
 . VIIT. Die Haftung des Gefchäftsherrn für die Berlebung Teiner YuffichtSpflicht
üt im $ 831 geregelt. Ueber die Haftung der Gaftwirte f. 88 701 ff., über die Haftung
für den durch Unterlaflung der Aufficht über Tiere entftehenden Schaden 1. 55 833, 834;
über die Wuflihtäpflicht der Beamten 1. 88 839, 841, ES. Art. 77, 78 und Bem. hiezu.
IX. Sandesrechtliche Vorbehalte enthalten die Art. 105—108 des E€®. Nach
Art. 69 Ubi. 1 Ziff. 1-5 des bayr. revidierten SForfigefeßes in der Safl. d. Belanntm.
vom 4. Suli 1896 find zivilverantmortlih die Chemänner, Väter, Mütter, Bormünder,
 Kuratoren, Pflegeeltern, Dienftherr/chaften, Sehrmeilter und Gewerbsleute wegen
der Zorfitfrevel der Chefrauen, Kinder, Pflegebefohlenen, Dienftboten, Zöglinge,
Geiellen und SGehilfen 8. auch Urt 13 bi. 1 Riff. 1—5 des Korfititraiaef. für die Bialz

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