Die Arbeiterfrage in England.
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ment zu Qrabe getragen. Die Liberalen waren nicht mehr stark
genug, allein die Konservativen zu überwinden, sie konnte dies nur
mit Hilfe der irischen und der neuen Arbeiterpartei, die über 40 Ab
geordnete ins Parlament sandte.
Die Konsequenzen der neuen Konstellation zeigten sich sofort. Die
liberale Partei war von Anfang an geneigt, sich den Wünschen der
Arbeiterpartei gegenüber gefügig zu zeigen und auf sozialem Ge
biete eine radikale Politik zugunsten der unteren Klassen zu be
folgen: Die Taff-Vale-Entscheidung vom Jahre 1901 wurde durch
das Trades Dispute-Gesetz vom Jahre 1906 ihrer Wirksamkeit be
raubt, und als im Jahre 1910 im sogenannten Osborne Case von
Gerichts wegen eine ähnlich ungünstige Entscheidung für die Ar
beiter getroffen worden war — das Gericht verbot die Verwendung
von Gewerkschaftsgeldern zu politischen Zwecken, vor allem zur
Bezahlung der Arbeitermitglieder im Parlament —, wurden dessen
Konsequenzen aufgehoben durch die gesetzliche Einführung von
Diäten für die Abgeordneten. Außerdem brachte die Regierung im
Jahre 1911 und 1912 Gesetzentwürfe ein, die die Entscheidung im
Osborne Case wieder aufheben sollten. Ihre definitive Annahme
ist bisher nur dadurch verhindert worden, daß die Arbeiterpartei
sie als nicht weitgehend genug bezeichnete.
Gleichzeitig inaugurierte die liberale Regierung unter der Führung
des Schatzkanzlers Lloyd George ein großartiges sozialpolitisches
Gesetzgebungswerk, das eine vollkommene Abkehr vom alten Indi
vidualismus und ein Bekennen zum reinen Staatssozialismus be
deutete, besonders insofern, als Lloyd George die Kosten dieser Ge
setzgebung, hauptsächlich durch sein sogenanntes «radikales Bud
get», dem Grundbesitz und den oberen Klassen auferlegte.
Das Gesetzgebungswerk besteht erstens aus dem im Jahre 1909 in
Kraft getretenen Alterspensionsgesetz, das allen über 70 Jahre alten
Arbeitern ohne Leistung irgendwelcher Beiträge eine Beihilfe von
fünf Schilling pro Woche gewährte. Die ursprünglich auf 6 Mill.
geschätzten Kosten erreichten im Jahre 1911 bereits 13 Mill. £.
Hierzu kommt zweitens die am 15. Juli 1912 in Kraft tretende staat
liche Zwangsversicherung gegen Krankheit und Invalidität, zu deren
Kosten nach deutschem Vorbild Arbeiter, Unternehmer und Staat
gemeinsam beitragen. Es wird berechnet, daß von den 63 Millionen
der englischen Bevölkerung nicht weniger als 14 Millionen Zwangs-