den Überfluß an einem anderen Ort gedeckt und so zwischen Bedürfnissen
und Befriedigungsmitteln ein Gleichgewicht geschaffen wird, große Ein-
schränkungen erfahren hat.
Die G o l d a r b i t r a g e, wie sie früher häufig zwischen Berlin und
London stattfand, gestaltete sich folgendermaßen: Wurde der Bank von
England eine größere Menge Gold entzogen, so stieg infolge der Geld
knappheit der Zinsfuß in England. Infolgedessen hoben die Londoner
Banken und Bankiers ihre Guthaben aus dem Auslande ab, wodurch die
Devise London im Auslande anzog. Dies nutzte der Arbitrageur in
Berlin aus: Er sandte deutsche Goldmünzen nach London und verkaufte
sein auf diese Weise dort entstandenes Guthaben zu dem gestiegenen Lon
doner Wechselkurse in Berlin. Infolge des größeren Angebots sank der
Wechselkurs und näherte sich wieder dem Wechselpari. — Mitunter ließ
man auch die Versendung von Gold durch ein drittes Land vornehmen.
Deutsche Banken beorderten z. B. ihre Guthaben in Frankreich nach Eng-
land oder sandten ausländische Wechsel oder Schecks an Londoner Banken.
Zweck und Wirkungen waren die gleichen: Entstehung eines Guthabens
im fremden Lande, Verkauf von Anweisungen auf dieses Guthaben, Rück-
gang des fremden Wechselkurses.
Um Gold ins Land zu ziehen, gewähren die Zentralnotenbanken für
Gold, das ihnen zum Verkauf angeboten wird, zinsfreie Vor-
s ch ü s s e, so daß der Importeur den Zinsverlust während der Zeit des
Goldtransportes bei den Sendungsspesen nicht zu kalkulieren braucht.
Diese Maßnahme wirkt, ebenso wie die Erhöhung des Ankaufspreises für
Gold, als Einfuhrprämie. Die Deutsche Reichsbank hat öfter für
weit längere Zeit, als die Reise tatsächlich beanspruchte, zinsfreie Vor
schüsse gewährt (bis zur Dauer von 6 Wochen), so daß diese Zinsen als
Extragewinn gebucht werden konnten.
Wie die Gold-, sucht auch die G el d a r b i t r a g e die zwischen
zwei Ländern bestehenden Unterschiede der Zinssätze auszugleichen.
Neben dem Diskontsatz spielt hierbei naturgemäß eine wesentliche Rolle
der Devisenkurs, der besagt, wie das im fremden Lande entstandene Gut
haben zu verwerten ist. Die zwischen Deutschland und Frankreich be
stehende Differenz des Diskontsatzes wurde von deutschen Banken häufig
in der Weise ausgenutzt, daß sie die (zu höheren Sätzen) diskontierten
Wechsel bei Pariser Banken zu dem dortigen (niedrigeren) Zinsfuß ver-
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