284 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
Die Hamburger Börse ist hauptsächlich eine Waren-, Schiffs-
frachten- und Versicherungsbörse, sie dient aber auch als Effekten-
börse, ferner dem Handel in Schiffen, Grundstücken, Hypotheken und
für das Lagergeschäft. Die Börse steht unter der Aufsicht der Handels-
kammer; der Börsevorstand zählt 62 Mitglieder und zerfällt in
mehrere Abteilungen: die allgemeine Abteilung als Börsekommission
aus Mitgliedern der Handelskammer und den Vorständen der Wert-
papierbörse und der einzelnen Spezialbörsen, wie der Spiritus-,
Kaffee-, Zucker-, Baumwolle-, Metall- und Kautschukbörse. Der Zutritt
zu den Börseräumen stand früher jedermann frei; seit 1. Dezember
1921 darf aber das Börsengebäude nur mit Zulassungskarten betreten
werden, die die Handelskammer grundsätzlich nur eingetragenen
Firmen und deren Angestellten ausstellt. Die Wertpapierbörse findet
teils in der Börsenhalle (im ersten Stockwerk), teils im unteren
Börsensaale statt. Im Saale der Wertpapierbörse ist ein doppelt
eingefriedeter Raum, der „Devisenzirkus“, für die Devisenhändler
reserviert; für den „inneren Ring‘ werden besondere Einlaßkarten
an die Interessenten ausgegeben, während der „äußere Ring“ für
die Angestellten der Devisenhändler bestimmt ist. Neben dem De-
visengeschäft ist von Bedeutung der Handel in Schiffahrtsaktien
und in norddeutschen Anlagewerten. Für die Aufrechterhaltung der
Ordnung sorgt wie an den anderen deutschen Börsen ein Ehren-
gericht. Amtliche Kurse werden in Wertpapieren, Geld, Edelmetallen
sowie in jenen Waren, in denen ein Terminhandel stattfindet, durch
hiezu bestimmte Mitglieder der betreffenden Abteilung des Börse-
vorstandes festgestellt,
Die Hamburger Börse ist schon infolge ihrer Zusammen-
setzung der Mittelpunkt eines bedeutenden Effektivgeschäftes in
Waren, für dessen Abschluß und Erfüllung eine Reihe von Geschäfts-
bedingungen für die einzelnen Waren festgestellt sind; so für Butter,
Drogen und Chemikalien, Eier, Haare und Borsten, Fische und Fisch-
konserven, Futtermittel, Getreide, getrocknete Früchte und Gewürze,
Harz, Terpentinöl, Lackrohstoffe, Wachse, Holz, Kaffee, Kakao, Kar-
toffelfabrikate, Kautschuk, Kohle, Kork, Leder, Metalle, Reis, Süd-
früchte, Tee und Zucker. Vielfach sind für die einzelnen Abschlüsse
Schlußscheine festgesetzt, so für Getreide allein 18 Kontrakttypen. Ein
Terminhandel besteht in Zucker (Basis holländischer Standard 25,
Preis für 50 kg Netto, frei Schiffseite Hamburg, Netto Kassa, ein-
schließlich Sack, Schluß 50 t), in Kaffee (Basis Superior Santos,
lieferbar verschiedene Typen mit allfälligen Preisabschlägen, Preis
für 1/, kg in Pf., Schluß 250 Säcke = 14.700 kg), in Kautschuk (Hevea
Plantagen nach verschiedenen Typen, Preis für 1 kg, Schluß
1000 kg), in Kupfer (handelsübliche Qualitäten nicht unter 990%,
Preis für 100 kg, Schluß 10 t) und in Zinn (Strait und Austral, Preis