Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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pressionist wie dieser, doch jenem an Intensität der Beobachtung 
mehr als ebenbürtig. 
Mußte nun diese Seite der Beanlagung des Dichters 
leicht zur impressionistischen Kunsterzählung drängen, so führte 
andererseits die dramatische Ader zum Aufsuchen der künst— 
lerischen Disposition einer bei weitem fester geschürzten Hand— 
lung, als sie im impressionistischen Roman sonst gefunden 
worden war. Und so hätte Sudermann wohl am ehesten die 
Lösung des schweren Rätsels einer impressionistischen Dispo— 
sition der großen Kunsterzählung gelingen können. Wenn er 
diese Aufgabe gleichwohl nicht löste, wenn er vielmehr in seinen 
Dichtungen das dramatische Bedürfnis nach einer fest um— 
schriebenen Handlung in der herkömmlichen Formgebung des 
Romans befriedigte, so scheint, abgesehen von den Schwierig— 
keiten, die in der Sache liegen, dafür noch eine andere Seite 
seiner Begabung von wesentlichem Einfluß gewesen zu sein: 
seine Klugheit, Überlegtheit, Fähigkeit einer oft überscharf— 
sinnigen kalten Berechnung. Denn diese wies ihn nach der 
Stimmung des litterarischen Publikums von 1890 zunächst nur 
auf ein Kompromiß hin, auf die Verbindung alter Form des 
Ganzen mit langsamen, dem Gesamtcharakter eben noch an— 
gemessenen Zugeständnissen an die neue Kunst im einzelnen. 
Die Romane Sudermanns sind weithin bekannt, und der 
Leser wird sich, wenn er seine Erinnerungen durchgeht, leicht 
ein Bild davon machen können, inwiefern diese allgemeinen Be— 
obachtungen für den Verlauf der Romanschöpfungen des Dichters 
im einzelnen zutreffen. Im ganzen gehört in den frühesten 
Erzählungen namentlich die Exposition gern völlig der alten 
Technik an. Im Fluß der Darstellung dagegen finden 
sich dann schon früh Umrisse des Impressionismus selbst über 
die Schilderung hinaus und hinein in die Ausgestaltung der 
allgemeinen Kunstform; und unterbrochen werden sie schließlich 
entscheidend eigentlich nur noch durch die Neigung zu Effekt— 
scenen, sowie die Konsequenzen eines starken Zuges zum Senti— 
mentalen und gelegentlich auch Lüsternen, wie es jedem Natu— 
ralismus an sich fern steht: bis sich der Dichter auch in dieser
	        
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