Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 141
Strömungen zur vollen Entwicklung einer klerikal-papalen
Autonomie und diese wiederum zur Gewinnung demokratischer
Beziehungen in der Nation benutzt, und damit diejenige Position
errungen, deren Obmacht über den Staat später den Kultur⸗
kampf heraufbeschwor. Doch von diesen Vorgängen kann erst
später genauer gesprochen werden; denn erst in den siebziger
Jahren sind sie für die Geschichte der Nation von maßgebender
Bedeutung geworden. In den Zeiten dagegen, denen unsere Er—
zählung jetzt gewidmet ist, waren sie noch von geringer Wichtig—
keit und vielfach kaum in weiteren Kreisen bekannt: noch be—
herrschte, namentlich in Norddeutschland, der Protestantismus das
öffentliche kirchliche Interesse und teilte die Publizität seiner großen
Anliegen voll eigentlich nur mit den Anliegen des Staates.
War dem aber so, so begreift man wohl, daß die Zeit im
Grunde klein verlief und ergebnislos, und daß kräftige Geister
sehnend vorwärts strebten in eine bessere Zukunft. Diese Geister
aber mußten der Zukunft um so mehr leben, als auch das
gleichzeitige freie und höhere Geistesleben für die Ode auf kirch⸗
lichem und politischem Gebiete bei manchem Großen doch keinen
Ersatz bot.