Full text: Das Recht auf Arbeit in geschichtlicher Darstellung

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Kreise zieht, deren einer den andern erzeugt, sich fortwährend 
vergrössernd. 
Als die Centralbehörde, der die Aufgabe zufiele, den Ueber- 
zyang von der jetzigen wesentlich privatwirtschaftlichen Pro- 
ductionsweise zu neuen gemeinwirtschaftlichen Formen der 
Gütererzeugung zu vollziehen, dachte sich Louis Blanc ein Fort- 
schrittsministerium (Ministere du Progres), das auch ein be- 
sonderes Budget für die Arbeiter (budget des travailleurs) 
zu verwalten hätte. Dieses Budget sollte dadurch begründet 
werden, dass an die Stelle der Bank von Frankreich eine 
Nationalbank zu treten hätte, deren Gewinn zur Befreiung des 
Proletariats zu verwenden wäre. Ferner hätte das Fortschritts- 
ministerium die Eisenbahnen, Bergwerke und das Versicherungs- 
wesen zu verstaatlichen und im Namen des Staates Lager- 
häuser und Waarenhallen zum Verkaufe gewerblicher Erzeug- 
nisse zu eröffnen. Die aus allen diesen Massregeln sich er- 
zebenden Einnahmen würden dem Arbeiterbudget zufliessen 
und wären zur Errichtung der Ateliers sociaux (Produktiv- 
genossenschaften von Arbeitern desselben Berufes) bestimmt. 
Von diesen gibt es zwei Arten: Ateliers sociaux industriels 
ınd Ateliers sociaux agricoles oder colonies agricoles *). 
Die letzteren sollten zugleich theoretische und praktische Acker- 
bauschulen sein. Sie würden nicht nur jedem Arbeiter das 
Recht auf Arbeit verbürgen, sondern auch das Recht auf die 
Arbeitsinstrumente , ‚auf die Frucht der Arbeit, das Recht auf 
Erziehung, auf die freie Entwickelung der Fähigkeiten, und auf 
lie Annehmlichkeiten des Lebens. Die Ackerbaukolonien, zu 
deren Errichtung der Staat einen Spezialkredit von 100 Mill. Fr. 
zu gewähren hätte, wären Nationaleigentum, Jede Colonie 
hätte ungefähr 100 Familien zu umfassen, die in einem ge- 
meinsamen Gebäude wohnen würden; das Personal bestünde 
„41 einem Dritteil aus Ackerbauern, zu einem zweiten Dritteil 
1) Ueber diese vgl. Louis Blanc, Organisation du travail in den 
Questions d’aujourd’hui et de demain, Paris 1882; p. 88—109, und Girardin, 
Le droit au travail a. a. ©. p- 135: Ces ateliers garantiraient ä chaque 
travailleur, non seulement le droit au trav ail, mais encore le droit aux 
instruments de travail et aux fruits du travail, le droit A Peducation, au libre 
developpement des facultes, aux douccurs de la vie, Siehe auch Vidal, 
Vivre en travaillant, Paris 1848, p. 35, und von demselben Verfasser: De 
la Repartition des richesses , Paris 1546, p. 477—92. Les colonies agricoles 
(p. 485) et les hötels &conomiques pour les ouvriers des villes nous paraissent 
les moyens les plus efficaces de soulager Ja mis&re, de neutraliser en partie 
ler funestes effets de la concurrence, du salariat. des machines de Vanarchie 
ndustrielle et eommereciale.
	        
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