Full text: Das Recht auf Arbeit in geschichtlicher Darstellung

„Es ist‘, sagt Gall ’), „meine Ueberzeugung, dass kein Theil 
der bewohnbaren Erde für übervölkert gehalten werden darf, 
solange er noch nicht in einen Garten umgewandelt ist, solange 
es darin noch Höhen abzutragen, noch Tiefen auszufüllen, noch 
Sümpfe auszutrocknen gibt; solange noch darin Chausseen, 
Kanäle oder Eisenbahnen nicht alle Wohnstätten der Menschen 
verbinden; solange Menschen noch in Hütten leben, welche 
der Wolhabendere sogar für seine Tiere zu schlecht halten 
würde; dass daher an Gelegenheit zur nützlichen Beschäftigung 
der arbeitslosen Darbenden in Deutschland noch lange kein 
Mangel sei; dass aber der in einer civilisirten Gesellschaft 
lebende Mensch nicht allein Recht zur Arbeit hat, sondern 
auch für seine Arbeit, die Mittel zu einer m enschlich-wür- 
ligen Existenz zu erwarten berechtigt ist; dass es das 
sigene Interesse der Gesellschaft erheischt, keine Arbeitskraft 
unbeschäftigt, unbenutzt zu lassen; dass die Vereinigten Staaten 
dei einer dünneren Bevölkerung, als sie irgendwo in Deutsch- 
land gefunden wird, ihre (jetzt) mehr als 400 Stunden langen 
Eisenbahnen, ihre zahlreichen Kanäle, ihre unzähligen Dampf- 
schiffe, ihre herrlichen Städte und eine beispiellose allgemeine 
Wohlfahrt hauptsächlich der Einsicht verdanken, dass für eine 
menschliche Gesellschaft nichts verloren ist, als unbenutzt 
gelassene Arbeitskräfte und der aus jener Einsicht hervorge- 
gangenen Kunst, die vorhandenen Arbeitskräfte vollständiger, 
nützlicher zu beschäftigen; dass die menschliche Thätigkeit, die 
dort so üppige Früchte trägt, hier und allenthalben dieselben 
wolthätigen Wirkungen hervorbringen muss; dass, wenn die 
zweckmässigere Benutzung der wertschaffenden Kräfte die Ge- 
nussmittel einer ganzen Staatsgesellschaft ins Unendliche zu 
vermehren vermag‘, auch jede kleinere Gesellschaft, jede Ge- 
meinde, durch dasselbe Mittel wenigstens eine erträglichere 
Existenz zu erringen im Stande sein muss.“ 
„Der Staat“, sagt (Tall an einer anderen Stelle ?), „müsse 
ebensosehr um der allgemeinen Sicherheit, als um der allge- 
meinen Wolfahrt willen besorgt sein, die Arbeitslosen 
nützlich zu beschäftigen. Denn ein Staat sei am Abende 
1) Vgl. Ludwig Gall, Mein Wollen und mein Wirken in der „Be- 
leuchtung der Förster’ schen sogenannten Kritik der gerühmtesten Destil- 
liergeräte‘“, Nebst Vorschlägen zu einem Wettbrennen zwischen denjenigen 
Apparaten, welche darauf Anspruch machen, die zweckmässigsten zu sein. 
Trier 1835 p. 63. 
2) Ludwig Gall, „Was könnte helfen?“ Trier 1825 p. 1315.
	        
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