Full text : Die Sprengstoffe, ihre Chemie und Technologie

Griechisches Feuer.

pulver, hergestellt und als mächtiges Kraftmittel angewendet worden
ist, kann nicht mit großer Genauigkeit beantwortet werden. Wir
finden schon frühe bei verschiedenen Völkern den Gebrauch von
brennenden Wurfgeschossen. Die als solche benutzten Holzscheiter
wurden alsbald verbessert durch die Perwendung von Pech, Schwefel,
harzen, von Stoffen, die leicht zu entzüunden und, einmal brennend,
schwer zu verlöschen sind. Diese Stoffe werden in der hitze flüssig
und haften stark an den Körpern, auf welchen sie sich geschmolzen
verbreiten. Immerhin waren sie verhältnismäßig leicht durch
Abkühlung und Luftabschluß unschädlich zu machen. Das Geschoß
selber durfte keine sehr große Geschwindigkeit haben, um nicht
schon während seines Fluges durch die abkühlende Wirkung der
Cuft zu erlöschen.
Diese Übelstände der Brandgeschosse wurden beseitigt durch das be—
rühmte griechische Feuer (um 673). Das Geheimnis seiner Fabri⸗
kation und seiner Verwendung war zunächst auf das byzantinische
Raiserreich beschränkt. Dies Feuer, welches anscheinend durch kein
Mittel zum Erlöschen gebracht werden konnte, machte einen gewal⸗
tigen Eindruck auf die damaligen Zeitgenossen. So wurde behauptet,
daß auch die durch das griechische Feuer in Brand gesetzten Gegen⸗
stände nicht wieder gelöscht werden könnten. Sahlreiche andere
seugnisse einer lebhaft getroffenen Cinbildungskraft find vorhanden.
Worin bestand nun die so erfolgreiche Neuerung in der herftellung
des griechischen Feuers? Es ist die Entdeckung des Salpeters und
seiner Eigenschaften, welche den Erfolg herbeigeführt hat.
Die salzigen Huswitterungen, welche sich im Boden vieler trockner
Hegenden und an den Mauern von Bauwerken bilden, waren im
Altertum bekannt. Die chemische Zusammensetzung dieser Efflores⸗
zenzen ist nicht immer dieselbe. Neben Kalziumnitrat und Kalium—
nitrat bilden auch Natriumsulfat, Natriumcarbonat, Chlornatrium
usw. ähnliche Auswitterungen. Der von Dioskorides und von
Plinius beschriebene Stein von Assos (Stadt in Mysien) scheint
aber identisch mit dem eigentlichen Salpeter, dem Kaliumnitrat,
zu sein. Auch die als „chinesischer Schnee“ bezeichnete Masse muß
aus diesem Salz bestanden haben. Arabische Schriftsteller beschreiben
als Barud, d. h. hagelskorn (dessen streifige Struktur an die der
Salpeterkristalle erinnert) ein Salz von den Eigenschaften des
dalpeters.
Man benutzte anfänglich den Salpeter in der Heilkunde als
Hitze und Kühlmittel bei Geschwüren und Wunden. Vielleicht ist
            
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