Pitkrinsäure. Pikratsprengstoffe. 119
ist die Schmelzoperation nicht ohne Gefahr. Man macht deshalb
von der auch sonst häufig beobachteten Tatsache Gebrauch, daß
ein Gemisch zweier Stoffe von hohem Schmelzpunkt einen nie—
drigeren Schmelzpunkt besitzt als die Komponenten. So schmilzt
nach Girard) ein Gemisch von gleichen Molekülen Trinitrophenol
(Schmelzp. 1220) und Nitronaphtalin (Schmelp. 619 bei 490;
ebenso mit Dinitrotoluol (Schmelzp. 719 bei 470; ebenso mit
Trinitrokresol (Schmelzp. 10709) bei 700.
Die geschmolzene Pikrinsäure, meistens noch vermischt mit
Nitronaphtalin, Dinitrotoluol usw., wird in Frankreich auch als
Melinit, in England als Cyddit, in Japan als Shimose be—
zeichnet.
Die Sersetzung der Pikrinsäure erfolgt nach der Gleichung:
2066NOSOMS COCHSOIICOS2BEA BZN..
Wie man sieht, besteht der Nachschwaden der größten Menge
nach aus brennbarem Kohlenoxyd und Wasserstoff. Aus der Glei—
hung ergibt sich:
28320 0 2 873,2 Kal. f* 9780,6k8.
Die sehr hohe Detonationsgeschwindigkeit und die damit zu—
sammenhängende dynamische Stoßwirkung ist schon auf 8. 93
angegeben.
Es hat sich gezeigt, daß die Pikrinsäure in Berührung mit dem
Metall der Geschoßwand pikrinsaure Salze bilden kann. Diese
Pikrate sind aber wenig stabil und können daher explosive Zer—
setzung veranlassen.
Beständiger sind die Alkalisalze der Pikrinsäure. Folgende von
Designolle (1861) angegebene Pulvermischungen waren eine
Zeitlang in Frankreich in Gebrauch:
Kaliumpikrat ...
Salpeter . ....
Kohle .....
Für
Torpedos
u. Granaten
55
45
—A
—
82
Geschützpulver
gewöhnl.
für
große
Ge⸗
chüre
Gewehrpulver
9,66 9 23,.6
7397 80 69,0
10.7 11 6.4
22.9
69,4
7.7
Brit. Pat. 6045/1905.