Full text : Die Sprengstoffe, ihre Chemie und Technologie

Knallquecksilber. 123

Essigäther, Stickoryd und andere Gase entwickeln, scheidet sich das
Knallquecksilber in kleinen grauweißen Kristallen ab, die in kaltem
Wasser fast unlöslich sind und das spez. Gew. 4,43 haben.
Das Trocknen des Knallquecksilbers (unterhalb 409) ist eine ge⸗
fährliche Operation. Ein von Paßburg konstruierter Vakuum—
apparat soll aber dazu geeignet sein. Es detoniert heftig beim
Erhitzen bis auf etwa 186, leicht auch durch Schlag oder Keibung.
Auch das nasse Präparat kann durch Stoß explodieren, sicher,
wenn es durch eine kleine Menge trockenen Rnallquecksilbers ge—
zündet wird. Seine Empfindlichkeit wird erheblich vermindert,
wenn es mit Glyzerin, Vaselin, Mineralöl vermischt, „phlegma—
tisiert“ wird. Es wird aber in diesem Zustande durch eine Zünd⸗
pille von nicht phlegmatisiertem Knallauecksilber zur vollen Er—
plosion gebracht.
Die Zersetzung erfolgt nach der Gleichung
CNOHg - 200 Hg - Nae.
Demnach vo *314,619 A174772 mkg.
t34530 f4450 kg
0 411,2 Kal.y) 40.3411

Wegen der hohen Ladedichte, die mit Knallquecksilber erreicht
werden kann, und der außerordentlichen Detonationsgeschwindig⸗
keit ist die Cxplosionswirkung überaus hestig. Seine Sersetzung ist
so plötzlich, daß es Schwarzpulver, auf welches es gelegt ist, bei
der Explosion verstreut, ohne es zu entzünden. Befindet es sich
aber in einer noch so schwachen Umhüllung, so tritt Entzündung
ein. Je widerstandsfähiger die Hülle ist, um so heftiger ist der
Explosionsstoß.
Bei der Explosion im eigenen Volumen, d. h. unter der Dichtig⸗
keit 4,43, gibt das Knallquecksilber theoretisch den Druck von
28750 kę pro qem. Berthelot und Vieille haben experimen—
tell mittels des Crushers gefunden 27 470 kg. Diese Werte über⸗
treffen die aller anderen Sprengstoffe.
Ahnliche Eigenschaften wie das Knallquecksilber zeigen das
Knallsilber und Knallgold. Diese Körper sind aber noch empfind⸗
licher als jenes, sie finden keine technische Anwendung.
Auch das Knallquecksilber wird nicht als eigentlicher Spreng⸗
stoff verwendet. Sowohl das entwickelte Gasvolumen (vo), als

1) Quecksilber gasförmig.
            
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