122 Drittes Kapitel: Technologie der einzelnen Sprengstoffe.
versilberten Gefäßen kann man flüssige Luft eine Zeitlang auf—
bewahren. Bringt man sie mit feinzerteilten Kohlenstoffträgern,
3. B. Kohlenstaub oder mit Watte, die mit Petroleum imprägniert
ist, zusammen, so kann man auf diese Weise mit Papierhüllen
Patronen machen, die durch Sprengkapseln zu heftigster Explosion
gebracht werden. Nach W.Schulz!) kann eine Mischung von holz⸗
kohlenpulver mit flüssiger Luft von 50 Proz. Sauerstoffgehalt die
Wärmemenge von 1200 Kal. auf 1 Kg entwickeln. Da die flüssige
Cuft bei — 1910 siedet, da im Bohrloche infolge der unvermeid—
lichen Verdampfung das Mischungsverhältnis der Sprengstoff—
komponenten sich rapide ändert, und aus anderen Gründen ist an
die allgemeine Einführung der flüssigen Luft in das Sprengstoff—⸗
wesen nicht wohl zu denken. Es sei aber darauf hingewiesen, daß
der oben erwähnte Sprengstoff, Kohlenstaub — flüssiger Sauerstoff
ein gutes Beispiel ist für die Bedeutung der chemischen Reaktion
und der damit verbundenen Wärmentwicklung.
Die beiden Systeme
O(flüss.) 4. C CO(Gqasf.) und COꝰ (fluss.) ⸗ CO?(gasf.)
gleichen sich insofern, als die Volumverhältnisse im Endzustand
die gleichen (1 Mol. Kohlensäure), im Anfangszustande nahezu die
gleichen (1 Mol. Sauerstoff, 1 Mol. Kohlensäure) sind. Wenn
aber flüssige Kohlensäure in gasförmige Kohlensäure übergeht,
so verbraucht 1 kg dazu bei 09 die Wärmemenge von 57,48 Kal.
oder das Gramm⸗Mol. 2,5 Kal., und durch diese große Wärme—
bindung wird die Verdampfung alsbald zum Stillstand gebracht.
Vereinigt sich aber das Molekül Sauerstoff mit Kohlenstoff zu
1 Mol. Kohlensäure, so wird eine Wärmemenge von 97,65 Kal.
pro Gramm-Mol. frei. Diese enorme Wärmeentwicklung pflanzt
die Reaktion momentan fort, d. h. bewirkt Explosion.
4y Knallquecksilber.
Das im Jahre 1799 von howard entdeckte Knallquecksilber
C2NOHg oder CCNO?) (CN) Hg ist ein Körper von außerordentlicher
Explosibilität. Zu seiner herstellung wird ein Teil Queck—
silber in 10 Teilen Salpetersäure vom spez. Gew. 1,4 unter mäßigem
Erwärmen aufgelöst und die warme Lösung in ein geräumiges
Glasgefäß, welches 8,3 Teile Alkohol von 0,83 spez. Gew. enthält,
gegossen. In lebhafter Reaktion, bei welcher sich Kohlensfäure,
1) Glückauf 1898. Ur. 17.