Full text : Die Sprengstoffe, ihre Chemie und Technologie

12 Erstes Kapitel: D. Sprengstoffabrikation in ihrer geschichtl. Entwickl.

wird. Der Entdecker erkannte wohl die Bedeutung dieses flüssigen
Körpers als Explosivstoff, vermochte aber nicht, seine technische
Herwendung in diesem Sinne herbeizuführen. Zunächst fand das
Nitroglyzerin eine unbedeutende therapeutische Verwendung, indem
es in sehr verdünnter alkoholischer Lösung als Mittel gegen Kopf⸗
schmerzen und Migräne (unter der Bezeichnung Glonoin und Angio—
neurosin) diente. Es gehört auch jetzt noch dem Arzneischatze an.
Erst im Jahre 18603 wurden durch Alfred Nobel die ersten
Hersuche gemacht, den von ihm Nitroglyzerin genannten Körper
für Sprengzwecke zu benutzen. Er brachte zunächst die Flüssig⸗
keit durch kleine Pulverladungen zur Erplosion. Allein die Hand⸗
habung erwies sich als zu gefährlich für die Bergarbeiter. Er
empfahl dann, das Nitroglyzerin in Methylalkohol zu lösen und
diesen kurz vor dem Gebrauch durch Zusatz von Wasser, in welchem
das Nitroglyzerin unlöslich ist, wieder von letzterem zu trennen.
Durch dies Verfahren wurde zwar die Empfindlichkeit des Nitro—
glyzerins so herabgesetzt, daß es transportfähig wurde, allein die
Trennung von dem Methnlalkohol war umständlich, und Gefahren
waren doch nicht ausgeschlossen, sei es infolge der leichten ber—
dunstung des holzgeistes, sei es aus anderen Ursachen.
Mowbran in Massachusetts zeigte, daß das Nitroglyzerin in
festem Sustande gegen manche äußere Einwirkungen weniger emp⸗
findlich ist als in flüssigem, und er verwendete gefrorenes Nitro⸗
glyzerin zum Transport in Blechgefäßen. Aber auch hierdurch
wurden unbeabsichtigte Explosionen bei unvorsichtigem Ruftauen
nicht vermieden, und gegen Stoß und Schlag ist die Empfindlich⸗
keit immer noch sehr groß.
Nobel hatte inzwischen Versuche angestellt, um das Nitroglyzerin
durch Mischen mit festen Körpern in einen nichtflüssigen, halbfesten
zustand überzuführen. Er fand im Jahre 1866 ein hierzu fehr
geeignetes Material in der Infusorienerde oder Kieselgur, die
besonders in der Lüneburger heide in einem mächtigen Cager
vorkommt. Damit erhielt er ein sehr plastisches, gegen Stoß fast
unempfindliches Produkt, das leicht in Bohrlöcher eingeführt werden
kann. Er nannte es Dynamit.
Schießbaumwolle wie Dynamit fanden alsbald eine sehr aus—
gedehnte Anwendung, besonders im Bergbau, wenn sie auch nicht
ganz frei von gewissen Übelständen waren. Die in bestimmie
Formen gepreßte Schießbaumwolle ließ sich oft nicht glatt in die
Bohrlöcher bringen und wirkte oft zu plötzlich und kräftig. Dyna—
            
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