Full text : Die Sprengstoffe, ihre Chemie und Technologie

Nitroglyzerin. Dynamit.

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mit nimmt bei Zutritt von Wasser dieses auf und läßt Nitro—
glyzerin austreten; bei niedriger Cemperatur gefriert es zu einer
steinharten Masse, die gegen jede mechanische Einwirkung von
außen (beim Zerkleinern der festen Masse z. B.) äußerst emp⸗
findlich ist.
Nobel hatte den glücklichen Gedanken (1878), beide Sprengstoffe
 mit einander zu kombinieren. So entstand die Spreng—
gelatine, welche bald das im Bergbau am meisten verwendete
Sprengmittel wurde und auch für Kriegszwecke als Füllmittel für
Granaten u. dgl. sich als brauchbar erwies. Sellulose bildet außer
der Schießbaumwolle noch andere Salpetersäureester, welche weniger
Salpetersäurerester enthalten als jene. Ein zuerst als „Dinitro—
zellulose“ bezeichnetes Produkt vermag sich in Atheralkoholgemisch
aufzulösen. Eine solche Lösung ist das bekannte Kollodium. Nobel
fand, daß diese Dinitrozellulose sich auch in Nitroglyzerin auflöft
und damit, je nach den Verhältnissen, eine zähe gallertartige bis
hornartige Masse bildet. Hier wird also die Gelatinierung oder
Plastizierung des Nitroglyzerins nicht durch Sumischung eines un—
wirksamen Körpers wie Kieselgur bewirkt, sondern eines Stoffes,
der selber ein starker Explosivstoff ist. Schon 8 Prozent Dinitro⸗
zellulose sind hinreichend, um das Nitroglyzerin zu gelatinieren,
also eine bei weitem geringere Menge, als von Kieselgur erforder⸗
lich ist. Es ist ersichtlich, daß die Gelatinedynamite im allgemeinen
oiel kräftigere Sprengstoffe sind als der Gurdynamit.
Man suchte nun auch nach anderen starken Explosivstoffen und
Gemischen, deren Eigenschaften sie besonders für Kriegszwecke brauch⸗
bar machten. Zunächst zogen die wirklichen Nitrokörper, und unter
diesen Pikrinsäure, das Trinitrophenol, die HRufmerksamkeit auf
sich. Borlinetto hat im Jahre 1867 ein Gemisch von Pikrin⸗
säure, Natronsalpeter und Kaliumbichromat als Sprengpulver
empfohlen. Kalium⸗ und Ammoniumpikrat wurden auch in Eng—
land und Nordamerika zur Füllung von Bomben verwendet. Großes
Aufsehen erregte die von Cugen Turpin in Paris (1887) er⸗
fundene Verwendung von Pikrinsäure in gepreßtem und geschmol⸗
zenem Zustande, sowie in Verbindung mit Kollodium, zum Füllen
von Granaten. Ein solches Produkt ist das in der französischen
Armee eingeführte Melinit. Die dem Trinitrophenol homologen
Trinitrokresole in Form der Ammoniumsalze werden seit 1888
als Ecrasit in der österreichischen, als Kresylit in der fran—
zösischen Armee gebraucht.
            
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