Full text : Die Sprengstoffe, ihre Chemie und Technologie

16 Sweites RNapitel: Theorie der Sprengstoffe.

einer verhältnismäßigen jungen Wissenschaft, der Thermo—
chemie, welche besonders durch die klassischen Untersuchungen
M. Berthelot's, sowie Jul. Thomson's zu hoher Vollendung
gebracht worden ist. Vorher war die Kenninis der Sprengstoffe
eine rein empirische. Heutzutage, im Lichte der Thermochemie, ist
man imstande, eine Menge neuer Sprengmischungen herzustellen
und ihre Eigenschaften einigermaßen sicher im voraus zu bestimmen.
Die Thermochemie ist die Wissenschaft von den gegenseitigen Be⸗
ziehungen zwischen chemischen und Wärmeerscheinungen, sie unter—
sucht die Umwandlung von chemischer in Wärmeenergie und um—
gekehrt. Die Wärmeenergie ist in den Sprengstoffen latent, sie
ist potentielle Cnergie, ihre durch Rechnung oder experimentell
bestimmbare Größe ist ein Maß für die kinetische Energie. Die
Umwandlung der Erplosionswärme in mechanische Arbeit besteht
in der durch die Wärme bewirkten Ausdehnung der Explosionsgase,
wodurch sich unter Berücksichtigung der Detonationsgeschwindigkeit
der entsprechende Gasdruck gibt.
Die mechanischen Wirkungen einer Explosion hängen also ab
von dem Volumen der bei der chemischen Reaktion gebildeten
Gase und von der frei werdenden Wärmemenge, welche die das
Volumen beeinflußende Temperatur bedingt.
Wesentlich ist ferner die Zeit, welche zur Vollendung und zur
Sortpflanzung der chemischen Reaktionen erforderlich ist. Man
unterscheidet demnach brisante und langsam explodierende Spreng⸗
stoffe. Su den ersteren gehören die Dynamite und die Ammon—
salpetersprengstoffe, zu den letzteren das Schwarzpulver. Um die
Kraft eines Sprengstoffes zu bestimmen, muß man also die Natur
der chemischen Reaktion kennen, woraus sich das Gasvolumen
und nach den thermochemischen Bestimmungen die Menge der ent⸗
wickelten Wärme ableitet, und ferner die Geschwindigkeit der
Reaktion.
Die Natur der Reaktion ist bestimmt durch die Zusammen⸗
setzung des Sprengstoffs und durch die der Explosionsprodukte.
Diese sind die der vollklommenen Verbrennung, wenn genügender
Sauerstoff vorhanden ist, um die brennbaren Elemente in die
letzten Oxydationsprodukte überzuführen, wie es 3. B. beim Nitro—
glyzerin der Fall ist, dessen Kohlenstoff und Wasserstoff gänzlich
in Kohlensäure und Wasser umgewandelt werden. Verwickelter
wird der Vorgang, wenn es an Sauerstoff fehlt. Es finden dann
zugleich mehrere Keaktionen statt. Aus dem Schwarzpulver 3. B.,
            
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