Full text : Versuche zur Einbürgerung der Seidenindustrie und des Seidenbaues in Mecklenburg

1020

Sochter Elisabeth Magdalene, die an den Herzog von Braunschweig—
Licxeburg perheirathet war. Sie scheint die erste gewesen zu sein
— sie sutrb 15895 —, die sich in Deutschland mit der Seidenraupen—
zucht befaßte.) Auch ein Privatmann, Dr. Andreas Libarius zu
Rolhenburg an der Tauber, im Jahre 1599 wird als einer der ersten
Züchter der Seidenraupe genannt.“) In Württemberg interessirte sich
der Herzog Friedrich J. für den Seidenbau, errichtete 1601 eine
Seidenzucht und Seidenspinnerei in Stuttgart und soll es sogar so
veit gebracht haben, daß er im Jahre 1603 drei Pfund im Lande
erzeugte Seide nach Frankreich schicken konnte.?)
Aber von allen diesen Unternehmungen hat sich nicht mehr als
die Erinnerung erhalten. Nicht einmal über die jeweilige Entwickelung
und die Dauer dieser Betriebe ist Näheres bekannt geworden. Immer—
hin waren auf diese Weise um die Wende des 16. und 17. Jahr—
hunderts Anfänge der Seidenraupenzucht und der Seidenindustrie in
oerschiedenen deutschen Gebieten vorhanden,“) und es handelte fich nur
um eine Wiederbelebung dieser Anstalten, als durch die in der Mitte
des 16. Jahrhunderts beginnende Gegenreformation ein Strom gewerb⸗
leißiger Niederländer und Franzosen sich in Deutschland ergoß. Die
fremden Flüchtlinge, die überhaupt auf die Verbreitung und Hebung
der Industrie in Deutschland bestimmenden Einfluß gewannen, die
ziner neuen Unternehmungsform, der Fabrik, Anerkennung ver⸗
schafften — sie waren auch die Träger und Verbreiter der Seiden⸗
industrie. Sie führten neue Artikel ein, sie brachten einen besseren
Geschmack, eine vollkommenere Technik mit sich.“)
Der erste deutsche Staat, der davon Vortheil zog, war Hamburg.
Hier entwickelte sich seit dem Ende des 16. Jahrhunderts eine rege
Seidenindustrie, in der insbesondere die Sammet- und Kaffaweberei
entwickelt waren. Daneben aber gediehen auch die Fabrikation von
seidenen und goldgewirkten Zeugen und Bändern, die Zwirnerei und
die Färberei.“) Wie leistungsfähig dieser Gewerbezweig, begünstigt

) Acta Borussica, die preußische Seidenindustrie im 18. Jahrhundert,
Bd. 1 und 2, bearbeitet von G. Schmoller und O. Hintze. Bd3, Dar—
tellung von O. Hintze. S. 27.
Schreber, Versuch einer Geschichte des Seidenbaues in „Sammlung
verschiedener Schriften, welche in die öconomischen, Polizen- und Cameral—
Wissenschaften einschlagen.“ 1755, Bd. 1, S. 185.
) Zur Förderung des Seidenbaues in Meklenburg, S. 10.
) Groth, GEyoschichte der Seidenzucht und Seidenmanufaktur, Deutsche
Vierteljahrsschrift, 1864, Heft 4, Nr. 108.
) Hintze a. a. O. S. 17.
e) Rüdiger, Hamburgs Handel und Gewerbe im Zeitalter der Reformation,
damburger Nachrichten, 18983, Nr. 8A11.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.