Object: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

die notwendigen Aus- und Vorrichtungsarbeiten, so daß nach dem Kriege 
in den Gruben nur geringe Mengen aus- und vorgerichtet, dagegen die 
eigentlichen Abbaumengen herausgenommen waren. Es kommt hinzu, 
daß die gesamte Welteisenerzproduktion naturgemäß durch den Krieg 
eine ungeheure Förderung erfahren hat. Infolgedessen waren die Kon- 
kurrenzbedingungen an sich verschärft, zugleich wurde der Mangan- 
gehalt des Siegerländer Erzes, der vor dem Kriege als der nützlichste 
und wesentlichste Bestandteil den Hütten zugeführt wurde, sowohl 
Jurch andere Manganerzvorkommen in der Welt als auch durch andere 
Eisensorten, die dieses Mangan nicht so bedurften, ersetzt. Die Gesetz- 
gebung der Nachkriegszeit führte dann dahin, daß die vor dem Kriege 
für unseren Rohstoff noch erträglichen sozialen Belastungen ein starkes 
Anwachsen zeigten. Wenn ich die Vorkriegsbelastung mit 100 einsetze, 
so betragen die jetzigen. Sozialbelastungen 415 °/,. Das ist eine wesent- 
lich größere prozentuale Belastung, als sie z.B. der nächste Rohstoff, 
die Kohle, zu tragen hat. Die Zahlen liegen dort bei 238 °/. wenn ich 
recht unterrichtet bin. 
Vorsitzender: Sind die Soziallasten deshalb besonders ge- 
Pe Lo8on, weil Sie sehr viel für Arbeitslosenunterstützung zu zahlen 
atten? 
Sachverständiger Willing: Der Stand des Siegener Knapp- 
schaftsbezirksvereins, der sehr alt ist, war derart, daß ebenso viele In- 
validen unterhalten werden mußten als Leute beschäftigt waren: Es 
waren in dieser Zeit im gesamten Knappschaftsverein 17000 Arbeiter 
an der Arbeit. und rund 17000 Invaliden mußten mitunterhalten 
werden. 
Vorsitzender: Wie fassen Sie denn den Begriff der Sozial- 
lasten? 
Sachverständiger Willing: Die Soziallasten sind die Lasten, 
die für die Knappschaftskrankenkasse, für die Berufsgenossenschaft, für 
die Invalidität und für die Erwerbslosenfürsorge aufzubringen sind. Es 
ist dabei an und für sich gleichgültig, ob der Arbeitnehmer oder der 
Arbeitgeber diese Lasten trägt, denn das Produkt muß sie in jeden 
Falle tragen. Ein Arbeiter ist bei uns in der Lage, im Monat einen 
Wert von etwa 250 RM. — ich bitte, mich auf die Zahl nicht fest- 
zulegen, aber sie stimmt ungefähr — zu erzeugen. Auf diesem Umsatz- 
wert des Produkts von 250 RM. liegt im Augenblick eine Soziallast 
von 42,30 RM., ein großer Teil des Umsatzes wird durch die Soziallast 
also vorweg absorbiert. 
Wenn ich dann auf die Löhne übergehe, so sind sie wie das gesamte 
Lohnniveau gestiegen. Die Löhne machen bei diesem Rohstoff etwa 
60 °% der Gestehungskosten aus, also der reinen Selbstkosten ohne. Ver- 
zinsung und Amortisation. Jede auch geringe Lohnerhöhung wirkt 
demnach außerordentlich auf das Niveau der Selbstkosten. Ein Aus- 
gleich in den Preisen ist nicht zu finden, weil in Anbetracht der Ver- 
flechtung mit dem Welterzmarkt der Preis durch den Weltmarktpreis 
begrenzt wird.
	        
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