Object : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Der  Staatssozialismus.

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an.  Für  ihn  ist  es  sicher,  daß  der  proportionale  Anteil  des  Arbeiters
am  Produkt  zugunsten  der  beiden  anderen  sinkt*).
In  Übereinstimmung  mit  seinen  theoretischen  Gewohnheiten  genügt ­
  ihm  eine  einfache  logische  Deduktion,  um  .dies  nachzuweisen.
Die  Höhe  des  Lohnes  —  das  hat  er  soeben  anerkannt  —  wird  durch
den  Stand  des  Angebotes  und  der  Nachfrage  auf  dem  Arbeitsmarkte/
bestimmt.  Aber  der  Marktpreis  der  Arbeit,  wie  der  der  Produkte,
strebt  nach  einem  Normalwert  hin,  und  dieser  Wert  ist  nichts  anderes,
als  der  notwendige  Lohn  Ricaedo’s.  „Der  Anteil  der  Produzenten
am  Produkt  richtet  sich  zuletzt  und  im  allgemeinen  nicht  nach  dem
Ergebnis  ihrer  Produktion,  sondern  nach  dem  Produktquantum,  das
hinreicht,  um  ihnen  die  Kräfte  für  Weiterarbeit  und  die  Mittel  zur
Aufzucht  neuer  Arbeiter  zu  geben 2 ).“  Es  ist  dies  das  berühmte
Eherne  Lohngesetz,  aus  dem  Lassalle  einige  Jahre  später  den
Grundstein  seiner  Propaganda  macht,  das  aber  im  Gegenteil  Marx
niemals  formell  angenommen  hat.
Wenn  man  dieses  Gesetz  einmal  anerkannt  hat,  so  genügt  es,  zu
konstatieren,  daß  die  Produktivität  der  Arbeit  täglich  wächst,  und
daß  sich  daher  die  Menge  der  Produkte  regelmäßig  vermehrt,  um
dann  ganz  arithmetisch  zu  dem  Schluß  zu  kommen,  daß,  da  die  absolute ­
  Menge,  die  von  den  Arbeitern  ständig  von  dieser  wachsenden
Menge  genommen  wird,  stets  dieselbe  bleibt,  dies  mit  Notwendigkeit
einen  stets  geringeren  Yerhältnisanteil  darstellt,  im  Maßstabe,
wie  die  ganze  Menge  sich  vermehrt.
Gleichzeitig  erhalten  wir  so  die  Erklärung  der  Krisen.  Im  Bemühen, ­
  sich  auf  der  Höhe  zu  halten,  sagt  Rodbertus,  vermehren  die
Unternehmer  beständig  ihre  Produktivität,  und  zwar  innerhalb  der
Grenze  der  Anteile  des  sozialen  Produktes,  die  jeder  Klasse  zukommen, ­
  weil  diese  Anteile  die  Ausdehnung  der  Nachfrage  bestimmen 8 ).
Während  nun  die  Produktion  größer  wird,  verringert  sich  der  Anteil
’)  „Wenn  der  Verkehr  in  bezug  auf  die  Verteilung  des  Nationalprodnktes  sich
selbst  überlassen  bleibt,  bewirken  gewisse  mit  der  Entwicklung  der  Gesellschaft  verbundene ­
  Verhältnisse,  daß  bei  steigender  Produktivität  der  gesellschaftlichen  Arbeit
der  Lohn  der  arbeitenden  Klassen  ein  immer  kleinerer  Teil  des  Nationalproduktes
wird.“  2.  sozialer  Brief  (Schriften,  Bd.  II,  S.  37.)
2 )  Kapital,  S.  184.
s )  Diese  Auffassung,  daß  die  Unternehmer  ihre  Produktion  auf  die  Größe  der
sozialen  Anteile  basieren,  ist  befremdend.  Trotzdem  hat  ihr  Eodeertus  in  eigenen
Worten  Ausdruck  gegeben:  „Sie  (die  Klassen)  gelten  nur  nach  der  Größe  ihres  Anteils  am
Nationalprodukt  auf  dem  Markt.  .  .  .  Der  Größe  dieser  Anteile  gemäß  müssen  die
Unternehmer  den  Umfang  der  einzelnen  Produktionen  einzuriohten  suchen.“  Kapital
S.  52—53.  Vgl.  auch  S.  206.)  —  Es  ist  jedoch  klar,  daß  die  Unternehmer  ihre
Produktion  einzig  auf  die  Nachfrage  nach  den  Gegenständen  gründen,  die  sie  im
besonderen  fabrizieren,  und  höchst  gleichgültig  gegenüber  den  Anteilen  sind,  die  die
sozialen  Klassen  aus  dem  Gesamtprodukt  zu  erhalten  haben.
            
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