Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

88 FRANKIŒICH. — Sociale, G ewer b s- und Handelsverhältnisse. 
den mannichfachsten Betrügereien führenden indirecten Auflagen. Zwar 
ist die Summe der Auflagen in Grossbritanien scheinbar noch grösser ; 
allein in Wirklichkeit gestaltet sich das Verhältniss entgegengesetzt ; 
1)^ weil England weit höheren Reichthum besitzt, und 2) weil in Frank- 
' reich (wie in den meisten Ländern des Continents) zu den Geldabgaben 
noch die enorme Last der Conscription kommt, in Folge welcher der 
junge Mann denjenigen Geldlohn nicht erhält, den er sich durch freie 
Arbeit erwerben würde. (Der verstorbene franz. Abgeordnete Desjo- 
bert berechnete den Verlust jedes Soldaten während der 7jährigen 
Dienstzeit auf 2000 Fr.) 
Volksbildung. Nach dem offic. Bericht über die Lage des Kaiser 
reichs vom Nov. 1863 gab es 67,836 Volksschulen mit 4 731,916 Kin 
dern, nemlich : 
37,893 Knabenschulen mit 2’145,420 Kindern unter weltl. Lehrern 
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13,101 - - 1'059,966 - - Ordensschwestern. 
Von den Ordensschwestern hatten 12,355 keine Prüfung abgelegt. 
In den 30 Monaten vom 1. Jan. 1861 (früher führte man keine Register) 
bis 1. Juli 1863 sind unter den Lehrern von 37,893 ötfentl. weltlichen 
Schulen 99 gerichtl. Verurtheilungen vorgekommen (blos 19 wegen Ver 
brechen, 80 wegen Vergehen), dagegen unter 3351 geistl. Lehrern 55 
(dav. 23 wegen Verbr., 22 weg. Vergehen), d. h. auf 390 weltl. Leh 
rer kam 1 Verurtheilung, dagegen auf blos 70 geistl. auch 1 ! — Es gibt 
1018 Gemeinden ohne jede Schule, 10,119 andere Orte besitzen solche 
nur vorübergehend. Ohne eigene Schulhäuser waren 19,303. Es blie 
ben 600,000 Kinder ohne allen Unterricht. — Der Aufwand für die 
Knaben- (oder gemischten) Schulen betrug 1862 31'324,615 Fr., wo 
von 29’732,477 auf Lehrerbesoldung kamen (durchschn. 790 Fr.). Die 
Lehrerinen bezogen 9’169,020 (durchschn. 665 Fr.). — Ausser obigen 
gab es 3162 Kleinkindcrschulen. — Im Jahre 1855 betrugen die für 
das Volksschulwesen aufgewendeten Summen ' von Seiten des Staates 
6 Mill., der Departemente 5, der Gemeinden 11%; dazu die Schulgel- 
der mit 9 Mill., endlich die Bezüge der Normalschulen und die Stipen 
dien, ergaben sich zusammen 32% Mill. Den 6 Mill, des Staats für die 
Volksschule stand der Aufwand von 463 Mill, für die Land- und See 
macht und 560 Mill, für die Staatsschuld gegenüber; ja für das ganze 
Volksschulwesen, einschliesslich Schulgelder, wird kaum so viel verwen 
det, als — unmittelbar und mittelbar — der Hof kostet. Im J. 1861 
hat man — nach Feststellung, dass 15,000 Lehrer völlig unzureichende 
Gehalte beziehen — 50,000 Fr. Pension für dieselben bestimmt (so dass 
durchschnittlich noch nicht 1 Fr. auf den Kopf kommt) , und ebenso 
bestimmte man 50,000 Fr., um damit im ganzen Reiche Landbibliothe 
ken zu begründen ! 
Die Civilstandsregister des Jahres 1860 umfassen die Acten von 
288,936 Heirathen. Dabei ergab sich, dass 86,142 Bräutigame und 
129,744 Bräute nicht einmal ihren Namen unterschreiben konnten. — 
1861 hatte man 305,203 Heirathen, und jene Unwissenheit ward bei 
89,339 Bräutigamen und 134,782 Bräuten constatirt, — also fast bei
	        
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