Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

Zur  vierten  Auflage.

Seit  dem  Erscheinen  der  ersten  Auflage  dieses  Werkes  (Ende
1856)  ist  noch  nicht  ein  Jahrzehnt  verflossen.  End  doch  sind  während ­
  dieses  Zeitraums  in  den  Verhältnissen  der  Staaten  mehr  und
tiefer  greifende  Veränderungen  vor  gegangen  ,  als  in  den  auf  die
grossen  Kriege  zunächst  gefolgten  vierzig  Jahren  (von  1815—55)
zusammengenommen.
Vor  Allem  hat  sich  in  Europa  die  Zahl  der  Kleinstaaten  vermindert: ­
  in  Deutschland  zwar  gelangte  nur  das  llerzogthum  Anhalt ­
  zu  einer  Vereinigung;  auf  der  Alpenhalbinsel  dagegen  sind
die  Sonderstaaten,  mit  Ausnahme  eines  Theiles  der  früheren  päpstlichen ­
  Gebiete,  sämmtlich  verschwunden;  Italien  ist  nicht  mehr
ein  blosser  »geographischer  Uegrift«.  Das  neugeschaffene  Königreich ­
  nimmt  der  Volkszahl  nach  sogar  die  fünfte  Stelle  unter
den  europäischen  Staaten  ein,  Preussen  in  dieser  Heziehung
übertreffend.  Sodann  haben  die  Ionischen  Inseln  ihre  Vereinigung
mit  Griechenland  vollzogen,  und  die  IMoldau  und  Walachei  sind  zu
einem  verbundenen,  wenn  auch  nicht  ganz  souveränen  Gemeinwesen
geworden.  Mittlerweile  hat  sich  in  Australien  gleichsam  eine  neue
Colonialwelt  auf  dem  Principe  factischer  Autonomie  entwickelt,
und  in  Nordamerika  stehen  die  verschiedenen  britischen  Besitzungen ­
  in  Verhandlung,  um  unter  Zustimmung  des  Mutterlandes
eine  neue  Union  zu  bilden.
Doch  Europa  sah  während  des  letzten  Jahrzehnts  noch  weitere
Veränderungen  als  die  vorhin  erwähnten  :  das  gewaltige  Russland ­
  musste  auf  sein,  die  wichtigste  Donaumündung  beherrschendes ­
  Gebiet  in  Pessarabien  verzichten;  Oesterreich  verlor  die  reiche
IvOmbardei  ;  Sardinien  trat  Savoyen  und  Nizza  an  Frankreich  ab,
und  Dänemark  büsste  den  Versuch,  die  nordalbingischeu  Herzogthümer
  oder  wenigstens  Schleswig  vollständig  zu  incorporiren,  mit
dem  völligen  Verluste  dieser  Ivaude.
Noch  ungleich  wichtiger  aber  als  selbst  diese  ansehnlichen
Gebietsveränderungen  erscheinen  einige  Umgestaltungen  in  den
socialen  Verhältnissen.  Die  Vernichtung  des  Instituts  der  Sklaverei ­
  in  Nordamerika  (die  Frucht  eines  Krieges  wie  die  Welt
noch  keinen  gleichen  sah)  und  die  Pefreiung  der  Dauern  in  Russland ­
  (in  ruhiger  Entwicklung,  wie  die  Geschichte  ebenfalls  noch
kein  Reispiel  kennt),  —  sind  Ereignisse  von  bleibender  welthisto-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.