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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
von der Natur gegebenen Organisation hinzufügen? — ganz einfach den
Parasitismus 1 ).
Seine These ist doch, daß Alle, die in der Gesellschaft eine gewisse-
Überlegenheit der Stellung, des Reichtums oder der Intelligenz haben,
diese Überlegenheit durch eine kecke Rollenvertauschung an sich ge
rissen haben und in Wahrheit nur die Schuldner derjenigen sind, die-
keine Erfolge erringen konnten; so daß es vielmehr diese sind, die das
Recht beanspruchen könnten, auf Kosten jener zu leben — aber dabei
vergißt man, daß viele dieser angeblichen Schuldner am meisten zu der
Schöpfung des materiellen und geistigen Besitzes der Gesellschaft bei
getragen haben. Man sucht so in der ganzen Gesellschaft immer dichtere
Schichten von Leuten zu schaffen, die von der Solidarität leben, wie es
früher solche gab, die vom Bettel lebten. Aber diese Leute sind viel ge
fährlicher, denn sie werden nicht mehr von der Erniedrigung, um Almosen
bitten zu müssen, zurückgehalten: sie verlangen, daß man ihnen gebe,
was man ihnen schuldig ist: nicht „um Gottes Willen“, sondern im Namen
eines, man weiß nicht recht welches Quasi-Kontraktes und mit dem
Schutzmann hinter sich, für den Fall, daß der sogenannte Schuldner
nicht mit der nötigen ergebenen Bereitwilligkeit die Forderung erfülle.
Daher kommt das Überhandnehmen der pensionierten Arbeiter, der
Invaliden, der Rentenempfänger und Arbeitslosen, der Opfer eines mehr
oder weniger wirklichen Unglücksfalles, der Eltern, deren Kinder in den
Schulküchen umsonst essen, der Fabrikanten und Besitzer, die unter
der Form eines Einfuhrzolles direkte oder indirekte Prämien erhalten,
und der Angestellten öffentlicher Behörden, die im Namen der beruf
lichen Solidarität die nationale Solidarität mit Füßen treten und
unbekümmert die Interessen der Verbraucher und der Steuerzahler preis
geben.
Gewiß behaupten die Nationalökonomen nicht, daß die gegenseitige
Gerechtigkeit, das do ut des, für Alles ausreiche: sie geben zu, daß sich
noch ein weites Feld jenseits der Gerechtigkeit erstreckt, — das Reich
der Mildtätigkeit: aber sie halten es für verderblich, diesen Bezirk dem
Gebiet der Gerechtigkeit einzuverleiben, indem man sich der Solidarität
als Vorwand für die Berechtigung dieser Einverleibung bedient.
In Summa gibt es eben kein Mittel, dem Dilemma zu entgehen:
entweder erhält ein Jeder den Gegenwert dessen, das er gibt, und in dem
1 ) „Die Solidarität dient den Leuten als Vorwand, die von der Frucht der Arbeit-
Anderer profitieren wollen, den Politikern, die das Bedürfnis empfinden, sich auf Kosten
der Steuerzahler Anhänger zu suchen: es ist einfach ein neuer Name, den man einer
Art Von höchst ungesundem Egoismus gegeben hat“ (Vilfredo Pareto, Le ptrü
socialiste, Journal des Kconomistes 15. Mai, 1900).
„Die solidaristischen Theorien, die fortschreitend und ins Unendliche die Zahl
der Unfähigen vermehren“ (Demolins, Sup§riorit§ des Anglo-Saxons).