Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

Vorwort zur vierten Auflage. 
XIII 
aber niclit vermochte war, jenen kleinen Orten auch nur annähernd 
ebensoviel zu nützen als man den natürlichen Verkehrsplätzen 
und den Interessen des ganzen Gemeinwesens schadete, — abge 
sehen von der gewaltigen Rückwirkung, welche die Förderung 
des Aufl)lühens einer Grossstadt auf viele Meilen hin für das flache 
Land hervorzubringen pflegt. 
Wir haben mit der Bemerkung l>egonnen, dass in den staat 
lichen wie in den socialen Verhältnissen während des letzten Jahr 
zehnts mehr und tiefer greifende Veränderungen vorgegangen sind, 
als während der vierzig Jahre, welche der Zeit der grossen Kriege 
unmittelbar folgten. Unverkennbar war die anfängliche Ruhe und 
Stabilität grossentheils eine Wirkung der auf die gewaltigen An 
strengungen jener Riesenkäni])fe mit innerer Nothwendigkeit ge 
folgten Erschöpfung, — einer Erschöpfung, die so ungeheuer ge 
wesen, dass selbst England, dessen Boden nie von einem feindli 
chen Heere betreten wurde, gleichwol wenigstens anderthalb 
Jahrzehnte bis gegen das Jabr 1830, bedurfte, um in seiner Con- 
sumtionsfähigkeit, und dass es sogar dritthalb Jahrzehnte 
(bis über 1640 hinaus) bedurfte, um in seinem Ausfuh rhandel 
die gleiche Höhe wie in der Kriegszeit mit ihren Anstrengungen 
und Kräfte-\ ergeudungen wieder zu erreichen (vergl. die Nach 
weisungen S. 30 und 30). Gleichwol dürfte die jetzige prregung 
und Unruhe weder eine blos relative noch eine rasch vorüberge 
hende sein. Blicken wir auf die Geschichte der Eurojiäischen Staa 
ten alsbald nach der Entdeckung Amerikas und nach dem Beginne 
der Zeit des Herüberströmens von EdelTnetallen aus Mexico und 
1 eru in unsern Erdtheil, so gewahren wir eine ähnliche, — durch 
alle, namentlich auch die staatlichen Verhältnisse, gehende — Er 
schütterung. Derselbe Geist der Rührigkeit, der Unternehmungs 
lust und auch tollkühnen abenteuernden Wagens und Ueberstürzens, 
der Inder Industrie und im Handel allenthalben hervortritt, ergreift 
die ganze \yeit. bürsten und Regieiungen werden fortgerissen auf 
Bahnen, die zu betreten früher ganz ausser ihrer Absicht lag. 
Auch die \ ölker treten weit mehr aus ihrem Liehlingszustand der 
vuhe und Gleichgültigkeit. Die neuen Verhältnisse, welche sich 
in allen Beziehungen des IGebens ergeben, bedingen an sich schon 
mannichfache Aenderungen in den staatlichen Organismen und 
b orinen. Die Staatsmänner von früher werden wol häufig genug 
das Drängen, wenigstens in dem Umfang, wie es hervortreten 
11 liPgrcifen. Grosse Reformen aber werden um so unab 
wendbarer werden, je mehr man in der langen Periode seit Been- 
grossen Kriege die alten Zustände, Einrichtungen 
und Tormén da und dort über alles Maas conservirt und nicht 
selten die schon früher nöthigen Aenderungen starr zurückge- 
w lesen hat. In solchen bewegteren und stürmevolleren Zeiten 
wird es weiterblickender und kühnerer Piloten bedürfen als wäh- 
rend des letzten halben Jahrhunderts, — es wird die Welt solcher 
Staatsmänner nöthig haben, welche die neu sich ergebenden Be 
dürfnisse des Gemeinwesens als solche erkennen, und statt mit
	        
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