Object: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

1406 VII. Abfnitt: Einzelne Schuldverhältniffe. 
„3. ah 8350 OSB. findet die Formborichrift des S 766 Sag 1 BOB. auf eine 
Bürg{haft, die auf Seite des Bürgen ein Handelsgejchäft ijt (GOB. 58 343 F.), Feine 
Anwendung (vgl. Urt. d. Reichsger. vom 30. November 1905 Kur. Wichr. 1906 S. 87 ff. 
und vom 4. Oktober 1909 Gruchot, Beitr. Bd. 54 S. 404 ff). Nach SS 351, 4 HGB. gilt 
aber diefe Worfchrift nicht für Handwerker und Berjonen, deren Gewerbebetrieb nicht 
über den Umfang des Kleingewerbes hinauZgeht {. aud HGB. 58 5, 15, Urt. d. Reichsger. 
dom 19. September 1906 Sur. Wichr. 1906 S, 691 ff.) 
Ynwendbarfeit des S 766 auf berwandte Recdhtsberhältniffe. 
7 Rumulative Schuldübernahme.*) Wie in Borbem, 2 vor $ 414 er- 
mähnt, regelt das BGB. nur die og. „privative Schuldübernahme“, 
d. D. die Nebernahme einer fremden Schuld in der Weife, ‚daß der Neber- 
nehmende an die Stelle des bisherigen Schuldners tritt. Nicht aus: 
gefchlojfen ijt Hiedurch die fog. „Fumulative ScOuldübernahme“, 
5. bh. Die Nebernahme einer fremden Schuld in der Weife, daß der Ueber 
tehmende neben dem bisherigen Schuldner al8 Gefamtichuldner eintritt. 
Wenn ein derartiges Rechtsverhältnis auch Mehnlichteit mit. der felbft- 
jchuldrerifhen Bürgidhaft (S 773 Nr. 1) zeigt, fo beftehen zwifchen beiden 
doch auch wefentlidhe WVerfchiedenheiten, {o insbefondere um deswillen, weil 
der Bürge (und zwar nach der Volksanfchauung auch bei der ‚„Telbit{huld- 
nerifchen Bürgfchaft) erft in zweiter Linie haftet, während bei der kumu- 
(ativen Schuldübernahme die Haftung des NebernehmersS der des urfprüng- 
lien Schuldners völlig gleichfteht; {f. jerner S 767 einerfeits, S 425 
anderfeits, Schon wegen biefer Merfchiedenheiten, vor allem aber im Hin: 
6lit Darauf, daß Zormbvorfchriften al8 Ausnahmebeftimmungen eine Yus- 
dehnmung im Wege der Wnalogie nicht zulafien, jt die Anwendung Des 
5 766 auf die fumulative Schuldübernahme ausge] hlofjen. 
Die gegenteilige Anficht hat das MNeichsgericht in der befannten Ent{hHeidung 
bom 20. März 1902 (ROGOS. Bd. 51 S. 120 ff.) vertreten mit der Be- 
gründung, daß die gleichen gefebgeberifchen Crwägungen, die zur Bor- 
Ichrift des $ 766 geführt haben, auch für die Kumulative Schuldübernahme 
zuträfen. Diele AUnfhOauung hat, abgefehen von bvereinzelten Yusnahmen 
gl. Pland Borbem. 2, a vor S 414 [etwas abweichend VBorbem. Ill, 7 
vor_ S& 765], Kohler S. 151, 424, Urt. d. OLG. Braunicdhweig vom 
2. Oftober 1903 Seuff. Arch. Bd. 59 Nr. 224, Urt. d. YLSG. Roftocdk vom 
4. Dezember 1902 und des HLG., München vom 30. März 1904, Kipr. d. 
DLO. Bd. 6 S. 449, Bd. 9 S. 284, Urt. d. DLG, Karlsruhe vom 10. uli 
1903 echt 1904 S, 45, Urt. d. DOL®, Bamberg vom 23. September 
1905 Bayır. 3. f. N. Bd. 1906 S. 46, Urt. d. DLG. Aolmar vom 
22. Dezember 1905 D. Jur.3. 1906 S. 828), in Theorie und Praxis faft 
allfeitigen Widerfpruch gefunden (vgl. Staub in D. IJur.3. 1903 S, 19, 
Schollmeyer S. 171 Anm, 2, Dernburg 8 155 Anm. 4, 8 285 AYnm. 12, 
DVertmanın Vorbem. 6 vor S& 414, Cofack I 8 159, Rehbein, DaZ BGB, 
Bd. 2 S. 415, IJolef a. a. D., Birkenbihl a. a. O. fowie die von ihm er- 
wähnten Urt, d. OLG. Frankfurt a. M. vom 9. Februar 1903 und 6. April 
1903, Helbach, David, Silbermann, Martinius, Salinger und [befonders8 
zingehenb] Reichel a. a. D©., Brattig S. 32 ff, Wolf S. 34 ff, Urt. d. 
DLO®. Celle vom 28. November 1901 und des DLG. Köln vom 4. Oktober 
1902, Mipr. d. DLSG. Bd. 4 S. 53 f., Bd. 8 S. 84, Urt, d. DLG. Köln 
*) gl. biezu: € Jofef, Bedarf die jog. Kumulative Schuldübernahme der Schrift. 
form? D, Jur.3. 1903 S. 422; Hirkenbihl, Bedarf die 109g. Fumulative Schuldiübernahme 
der Schriftform? Recht 1903 S. 286 ff.; Hellbach, Die fog. kumulative Schuldübernahme, 
ebenda S, 335; A. David, Kann die Kumulative Schuldäbernahme al8 ein abitraktes Schuld 
verfbredhen oder SchenkungSverfprechen angefehen werden? ebenda S. 356 f.; €. Silber: 
mann, Sjt zur Gültigkeit der fog. Kunınlativen Schuldübernahme die Schriftform erforderlich ? 
Bl. f. RN. Bd. 68 S. 365 ff., Bd. 70 S, 157 ff., Bd. 74 S. 46 ff.; Martiniu3, Die Form 
der fumulativen Schuldübernahme, Gruchot, Beitr. Bd, 49 S. 181 ff; Salinger, Zur Frage 
der Kumnlativen Schuldiübernahntee, Arch, f. bürgerl. N. Bd. 28 S. 81 f.; W. Weiterfamb, 
Bürgihaft und Schuldbeitritt (f. Note * zur Borbem.); H. Reichel, Die Schnldmitübernahme 
S. 203 ff.; derjelbe, Formitrenge Bürafhaft und formfreie Schuldiübernahme, Bayr. 
3. f. N. 1910 S. 125 ff.; ©. Brattig, Die Kumulative Schulditdernahme und ihr Berhält= 
is zur Bürgihaft, Leipz. Inaug.Difi., Borna-Leipzig 1907; Rud. Wolf, Wie unterjhetdet 
wo AUS MER Schuldibernahme von der Bürgjhaft? Würzd. Inaug.Difl., Würze 
Urag 3
	        
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