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l’REUSSEN. — Militär (Kriegsgeschichtliche Notizen).
auf dem Papiere entziffert. Es ist kaum nöthig, daran zu erinnern, dass
die wirklich verfügbare Macht hinter solchen Berechnungen immer weit
zurückbleibt.
Die Landwehr unterliegt einer vollständigen Umgestaltung. * **) j
Festungen. Es sind deren 2b (laut Kammerverhandl. v. lSü3)
I namentl. : Saarlouis, Coblenz mit Ehrenbreitstein, Cdln mit Deuz, Min-
I den, Erfurt mit .dem Petersberge und der Cyriaksburg, Magdeburg, Wit
tenberg, Torgau, Spandau, Küstrin, Stettin, Stralsund, Colberg, Glogau,
Cosel, Glatz, Schweidnitz, Neisse, Posen, Graudenz, Thorn, Swine
münde, Marienburg, Danzig, Pillau, Königsberg und Lötzen (Boyen;.
I , — Ferner hat Preussen in Mainz, Imxemburg und Rastatt das Mitbe
satzungsrecht.
Kriegsgeschichtliche Notizen. Preussen hat sich als Militärstaat em
por geschwungen. Friedrich II. fand bei seiner Thronbesteigung in dem
nicht 3 Mill. Menschen umfassenden Staate ein Heer von 7(i,(100 Mann.
Seinen Einfall in Schlesien (1 710) führte er zwar nur an der Spitze von
etwa 28,000 M. aus, hatte aber beim Beginne des zweiten schlesischen
Krieges (1711) angeblich 100,000 M. Den siebenjährigen Krieg eröfl-
nete der König (1750) durch seinen Einfall in Sachsen mit 00,000 M.
Während dieses Krieges kämpften die preuss. Heere in 1 0 Hauptschlach
ten; es wurden ihnen 3 Corps durch die Feinde zu Grunde gerichtet,
und sie verloren überdies 5 Besatzungen. Die Gesammtsumme seiner
Verluste an Todten und Gefangenen schätzte Friedrich selbst [Histoire
de mon temps) auf 1 80,000 M. ; ausserdem seien 33,000 Einwohner den
Barbareien der Russen erlegen ; die Verluste der preuss. Verbündeten
(Britten etc.) hätten 100,000 betragen; sonachGesammtverlustpreussi-
scher Seits 373,000. — Die Verluste seiner Gegner berechnete der Kö-
I nigso: Oesterreicher (welche in 10 Hauptschlachten kämpften und 3
Besatzungen einbüssten) 1 10,000 ; Russen (in 4 Schlachten, Verluste
j aut dem Marsche etc.) 120,000; Franzosen (meist gefangen) 200,000;
j Schweden 25,000, zusammen 513,000. — Totalverlust beider Theilc
I 880,000. (Die Schätzung des franz. Verlustes ist besonders zu hoch.
I — Die im -Tabre 1800 (Jenaer Feldzug) wirklich in Activität gesetzte
I Truppenzahl mag 120 — I 30,000 M. betragen haben. — Nach dem Til-
i si ter Frieden durfte Preussen höchstens 12,000 M. unterhalten. Allein
I diese Beschränkung drängte dazu, möglichst die ganze Nation wehrhaft
' zu machen (Scharnhorst’s Verdienst). Daher die neue Kriegsorganisation
j mit dem s. g. Krümpersysterne. — Für den russischen Feldzug musste
I Preussen den Frapzosen ein Hülfscorps von 20,000 (wirkl. 23,300) M.
*) Wie wenig man bisher die Gesammtsumme der jungen Männer wehrhaft
machte, und wie weit man bei dem »stehenden Heerwesen« von diesem Ziele
immer entfernt bleiben wird, zeigt folgende Thatsache. Nach ] )ieterici’s Berech
nung betrug 1858 die Landwehr ersten Aufgebots (damals vom 25. bis 32. Al
tersjahre) höchstens 380,2o3 Mann. Diese Zitier ist viel zu hoch, weil alle Ab
gänge vom 21. bis 32. Jahre nicht berücksichtigt sind. Die Zahl der im ange
gebenen Alter stehenden jungen Männer war aber bei der wirklichen Aufnahme
Po78,500. Nur bei einer der schweizerischen ähnlichen Heereseinrichtung ist
ein W'ehrhaftmachen des ganzen Volkes möglich.
**) Doch sind einige aufgehobene, wie Jülich und Schweidnitz, dabei.