Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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DEUTSCHLAND.  —  Bayern  (Sociale  Verháltniase).

Sociale  Verhältnisse.  In  den  7  rechtsrheinischen  Kreisen  herrscht
bekanntlich  Erschwerung  der  Ansässigmachung,  System  des  Realrechtsund ­
  neben  ihm  nun  wieder  stark  des  Concessionirungswesens  im  Gewerbsbetriebe,
  und  Untheilbarkeit  der  Adels-  und  vieler  anderer  Güter  ;
im  Pfalzkreise  dagegen  aus  der  Zeit  der  franz.  Herrschaft  :  Freiheit  der
Ansässigmachung  und  Heirath,  des  Gewerbbetriebs  und  der  Gütertheilbarkeit.
  Wäre  es  auch  ungereimt,  die  Verschiedenheit  aller  Erscheinungen ­
  in  beiden  Landestheilen  diesen  Umständen  beizumessen,  so  üben
dieselben  doch  unzweifelhaft  einen  gewaltigen  Einfluss,  und  wir  stellen
darum  folgende  Resultate  einander  gegenüber:
Der  im  Privatbesitz  befindliche  Boden  zerfällt  in  5)4  7,0  lU  einzelne
Besitzungen,  davon  228,5)70  in  der  kleinen  Pfalz,  mit  einer  Durchschnittsgrösse ­
  von  4  Tagwerken,  dagegen  nur  1051,15)5  Besitzungen  in  Oberbayern ­
  durchschn.  von  24  Tagw.  —  Die  Zahl  der  Parcellen  ist  12  808,472,
wovon  3’004,202  in  Unterfranken  und  2’030,578  in  der  Pfalz.  —  Die
landwirthschaftl.  Production  ist  am  mannichfachsten  und  in  vielen  Beziehungen ­
  am  grössten  in  der  Pfalz.
Bei  consequenter  Durchführung  des  Princips  der  Ge  werbsf  reihe ­
  it  entsteht  weniger  ein  unnatürliches  Zudrängen  zu  den  Gewerben,
als  bei  dem  bureaukratischen  Concessionswesen.  1801  zählte  man  in
Bayern  321,510  Gewerbtreibende  1  52,5)70  Meister,  108,540  Geholfen
und  Lehrlinge).  Dabei  kam  aber  ein  Gewerbtreibender  in  den  ältern
Kreisen  schon  auf  14,2  Einwohner,  in  der  ge  w  erb  freien  Pfalz  erst  auf
17.  (In  Preussen,  wo  principiell  Gewerbfreiheit  besteht,  kam  1  erst  auf
17,  wobei  aber  dennoch  die  Gewerbsproduction  eine  weit  höhere,  als  in
Bayern.  Vergleiche  auch  Kurhessen,  wo,  bei  starrem  Zunftzwange,
gleichfalls  1  Handwerker  schon  auf  14  —15  Einwohner  kommt.)
Die  Zahl  der  Realrechte  und  radizirten  Gewerbe  betrug  nach  einer
ministeriellen  Erhebung  von  1801  74,015),  mit  einem  Schätzungswerthe
von  08'8  10,318  fl.  (  1  825^waren  es  erst  08,150  Rechte  im  Werthe  von
etwa  12  Mül.!)  Auf  die  einzelnen  Kreise  kamen;
Kreise  Bechte  Werth  Kreise  Rechte  Werth
Oberbayern  .  17,sll  15)’71  (),.')  15  H.  Oberfranken  .  5,101  4’;)54,027  fl.
(dav.  München  1,4S5)  1'7  00,55)0)  Mittelfranken..  5),710  0’70S,417
Niederbayern  15,5:(S  15’755),545)  ,  Unterfranken  .  5,05)4  0'552¡140
Oberpfalz  .  .  10,170  5’t)Ss,ioo  ¡  Schwaben  .  .  5),712  5)’712,S5)s
Auf  sänimtl.  Realrechte  sind  Ilvpotheken  ciimetraiten  von  3’014  253  fl  .
wovon  2'370,55)1  in  Oberbayern.
Von  den  Geborenen  waren  im  Durchschnitt  der  22  Jahre  18»%,
bis  18»»/eo  -1,1  Proc.  unehelich;  in  der  Pfalz  nur  8,8%,  in  den  andern ­
  Kreisen  dagegen  23,2%.  Das  Verhältniss  würde  ein  absolut  günstigeres ­
  sein,  wenn  nicht  den  Militärpflichtigen  (auch  in  der  Pfalz)  das
Heirathen  unmöglich  gemacht  wäre.  (1%^  der  Stadt  München,  wo  das
Realrechtswesen  am  ausgebreitetsten,  überstieg  die  Zahl  der  unehelichen
Geburten  wiederholt  die  der  ehelichen.)  Von  I  OlM)  unehelich  Geborenen
wurden  durch  nachfolgende  Ehen  legitimirt  ;  in  der  Pfalz  21)1,4,  in  den
andern  Kreisen  nur  144,2.
Ehescheidungen  traf  je  eine  auf  folg.  Anzahl  Trauungen:
            
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