Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ITALIEN.  —  Finanzen  (Budget).

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Finanzen.  Ein  eben  erst  unter  gewaltsamen  Verhältnissen  gebildeter
Staat  kann  selbstverständlich  das  Gleichgewicht  zwischen  Einnahmen
und  Ausgaben  nicht  sofort  hersteilen,  um  so  weniger,  wenn  der  Staat,
von  dem  die  Umgestaltung  ausging,  sich  ohnehin  schon  längst  in  zerrütteten ­
  hinanzverhältnissen  befand.  Kommt  nun  aber  dazu  der  Aufwand ­
  für  ein  übergrosses  stehendes  Heer  —  ein  Aufwand  wie  wenn  sich
der  Staat  beständig  im  Kriegszustände  befände  —  vielfache  Verschwennicht
  selten  Mangel  an  Ehrlichkeit  in  der  Verwaltung  und  endlich
innere  Unruhen,  so  können  die  Ergebnisse  nicht  anders  als  verderblich
sein.  Von  vom  herein  lässt  sich  Genauigkeit  des  Budgets  und  Einhalten
er  Voranschläge  nicht  erwarten,  und  alle  Berechnungen  können  nur
als  ungefähre  Anhaltspunkte  betrachtet  werden.
Das  Bridget  für  1861,  das  erste  des  neuen  Königreichs,  schloss  mit
folgenden  Zahlen  ab  (in  Lire)  :
ordentliche  ausserordentliche  Zusammen
Einnahme  45G’5(>8,214  34’3(tl,S23  490’S70,037
Ausgabe  G12’9«l,122  192’180,772  8ü5’141,894
Deficit  15fi’392,9ü8  157’878,949  314’271,857
Aus  dem  Vortrage,  den  der  Finanzminister  Bastogi  am  23.  Dec.
1861  in  der  Abgeordnetenkammer  hielt,  ergab  sich  aber  bereits,  dass
die  Wirklichkeit  noch  viel  ungünstiger  war.  Man  hatte  weitere  ordentliche ­
  und  ausserordentliche  Ausgaben,  deren  Betrag  durch  Ersparungen
(worunter  Nichtausführen  projectirter  Eisenbahnen)  nur  unvollständig
gedeckt  wurde.  Nach  vorläufiger  Aufstellung  betrug  das  Deficit  ;  im
ordentl.  Budget  160’922,459,  im  ausserord.  239’486,048,  im  Ganzen
40((’408,507  liire.  Gegenüber  der  wirklichen  Gestaltung  im  J.  1861,
entwarf  nun  der  Minister  folgenden  Voranschlag  für  1862  .
ordentliche  ausserordentliche  zusammen
Einnahmen  487’00l,170  44’2S3,834  531,285,004
Ausgaben  090’38l,372  149’750,004  840’131,376
Deficit  203’7M>,202  104’466,170  308'846,372
Unter  den  ordentlichen  Einnahmen  werden  aufgeführt  :  Zölle
190’785,934,  directe  Steuern  1  31'671,459  ,  Enregistrement.  Stempel
u.  Taxen  1  10'454,483,  Eisenbahnen  23  1  35,690,  Telegraph  1’950,000,
Post  1  2'666,666  ;  Einnahme  der  verschied.  Ministerien  17’Ü04,294.  —
Unter  denAusgaben  erschien  das  Militär  (Landmacht)  mit  1  72555,635
Lire  im  gewöhnl.  und  mit  54’959,614  im  ausserord.  Budget,  zusammen
227  515,249  (davon  für  :  Stab  5  Mill.,  Activarmee  104,  Sicherheit  18%,
Freiwillige  3,  Festungen  14,  Nationalgarde  20  Mill.).  Für  die  Marine
wurden  63’678,461,  für  die  Schuld  160,930,292,  und  für  den  Hof
14  Mill,  (namentl.  Civilliste  lO'/j  Mill.)  gefordert.  —  Der  Minister  berechnete ­
  weiter  :  Zur  Deckung  des  in  beiden  Jahren  erwachsenden  Deficits ­
  von  717  (eigentl.  719)  Millionen  dienen:  35  Mill,  neapolitanische
Renten,  23  880,000  sicilianische  Renten  ,  und  das  Anlehen  von  1861
üiit  500  Mill.  Noch  bleibt  ein  Ausfall  von  159  Mill.  Um  denselben  zu
beseitigen,  sollen  neue  Steuern  erhoben  werden:  50  Mill,  an  weitern
Rinregistrirungsabgaben,  5’  weitere  Salz  -  und  Tabaksteuer,  4  —  5’
durch  Ausdehnung  des  Tabakmonopols  auf  die  neu  annexirten  Landestheile,
  4’  Abgabe  von  Reisenden  mit  Eilbeförderung,  20’  Erhöhung
ünd  bessere  Vertheilung  der  Grundsteuer,  30’  Mobiliarsteuer.  Diese
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