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NIEDERLANDE. - Sociales.
Kriegsgeschichtliches. 1785 stellte Holland 64,700 M in Kriegs
bereitschaft. Nach dem »Allianzvertrage« von 1795 musste die batavische
Republik 35,000 M. franz. Truppen uniformiren, unterhalten und be
solden. Später hatten die Holländer in der franz. Armee zu dienen.
1815 kämpfte ein niederländisches Armeecorps bei Waterloo gegen Na
poleon. Vor der belg. Revolution nahm man an: stehendes Heer 25,000,
mit Colonialtruppen 43,000, mit Miliz 140,000.
Marine. Stand Mitte 1864;
A. Dampfer (mit Schraube, ausser der letzten Kategorie :) Kanonen
5 Fregatten, 3 zu 51, 2 zu 4.3 Kan. (1 eigentl. schwimmende Batterie; 24,3
2 Corvetteu 1. Classe zu 19 K yy
10 Corvetten 2. Classe zu 10—20 K }
28 Schooner zu 8 und 10 K. (
1 Transportschiff (Corvette) 20
11 Raddampfer mit 1 bis 8 K 00
57 Dampfboote mit 7S8
B. Segelschiffe.
5 schwimmende Batterien, 2 zu 32, 1 zu 30, 2 zu 26 Kan 140
2 liinienschiffe 2. Classe zu 74 148
3 Fregatten 1. CI., zu 52 Kan 156
4 Fregatten 2. CI., zu 32 K 128
6 Corvetten, 4 zu 22, 1 zu 20, 1 zu 10 118
67 kleinere Schiffe 298
87 Segelschiffe mit ungef. 6500 Mann und beiläufig 1002
Total 144 Fahrzeuge mit 1 790 Geschützen. — Die Mannschafts
zahl der Marine betrug je am 1. Jan. ; 1861 6587, 1862 6098, davon
(im letzten Jahre) 1094 in West- und 2901 in Ostindien. (In Ostindien
befanden sich 1860 28, in Westindien 6 Kriegsschiffe, auf den ersten
u. a. 800 Eingeborene.)
Im J. 1780 zählte die Flotte 24 Linienschiffe (von 50 — 67 Kan.),
27 Fregatten (zu 20—44) , und im Ganzen 2290 Kanonen und 14,780
Seeleute ; eine Schiffsliste von 1 782 spricht sogar von 4 2 Linienschiffen
und 43 Freg. 1828 bestand die Marine wieder aus 17 Liniensch. und
20 Freg. 1829 rechnete man 30 Schiffe mit 720 Kan. und 4314 M.;
ausser Activität 63 Schiffe.
Sociales. Holland besitzt noch immer, und besonders neuerdings
wieder, grosse Reichthümer; allein sie sind sehr ungleich vertheilt. Der
Masse des Volkes ist jeder Lebensgenuss verkümmert durch eine Menge
drückender, namentl. indirecter Abgaben. Eine schlimme Rückwirkung
auf den Volkscharakter konnte nicht aus bleiben. Indest hätte man sehr
Unrecht, die Holländer nur als kleinliche Krämer anzusehen. Noch ist
dieselbe Nation vorhanden, welche ihr dem Meere abgerungenes Land
zuerst mit Kanälen nach allen Richtungen durchfurchte ; auch in der
Neuzeit haben die Holländer selbst unter dem Drucke sehr schlimmer
Finanzzustände durch Anlage des grossen Kanals vom Helder nach
Amsterdam, Erbauung von Eisenbahnen, Trockenlegen des s. g. »Haar-
lemer Meeres« (die Kosten wurden sogleich auf 10 Mill. fl. geschätzt)
und Entwicklung ihres Colonialbesitzes bewiesen, dass sie vor grösseren
Unternehmen keineswegs zurückweichen. In dem kleinen Lande er
scheinen, die geistige Regsamkeit bekundend, jedes Jahr über 1800
Druckschriften, ungerechnet 150 Zeitungen und 60 andere Zeitschriften.