Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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NORWEGEN.  —  Finanzen.

eine  freie  Verfassung.  Nach  einigen  Kämpfen  mit  den  schwedischen
Truppen  kam  es  zu  einem  Vertrage,  dessen  Hauptergebniss  die  modificirte
  Verfassung  vom  4.  Nov.  1814  ist,  derzufolge  Norwegen  ein  freies,
selbständiges,  untheilbares  und  unabhängiges  Reich  bildet,  und  zu  Schweden ­
  in  keinerlei  Unterthänigkeit  steht,  obwol  es  denselben  König  hat.
Finanzen.  Das  Budget  für  die  3  Jahre  vom  1.  Juli  1863  bis  dahin
1866  schliesst  in  Einnahme  und  Ausgabe  mit  14’310,000  Speciesthaler,
somit  für  jedes  einzelne  Jahr  mit  4’7  7  0,000  ab,  und  zwar:
Einnahmen:  Zölle  2’850,0üü,  Branntweinsteuer  51ü,O0Ü.  Malzsteuer
250,000,  Post  321,500,  Stempelpapier  08,000,  Telegr.  00,800,  Ertrag  der  Staatsanstalten ­
  und  Activen  102,000,  nicht  liquidirte  Renten  108,575,  indirecte  Auflagen ­
  105,200,  Bergwerke  99,000,  Verschiedenes  175,425
Ausgaben:  Hof  99,000,  Storthing  83,933,  Staatsrath  und  Centralverwaltungen ­
  183,2/4,  Ministerium  des  Auswärtigen  112,902,  des  Kriegs  1’005  480
der  Marine  1’041,541  (davon  aber  nur  434,333  für  Kriegsschiffe,  dagegen  007,208
für  l  ost,  lelegr.,  Dampfschifflinien  u.  Navigationsschulen),  der  Justiz  307,181,
des  Cultus  154,552,  des  Innern  391,420,  der  Finanzen  802,212;  —  Staatsschuld
401,312  ;  Unvorhergesehenes  04,181.
Schuld.  Ende  1863  8  522,000  Speciesthaler,  wogegen  die  verwerthbaren
  Activa  4’245,000  betrugen,  ungerechnet  850,000  Speciesthaler
Betriebsfond  des  Kongsborger  Silberbergwerks  etc.  Im  Aug.  1863  ward
zu  Hamburg  eine  neue  norwcg.  Staatsanleihe  auf  den  Markt  gebracht,
deren  Ertrag  oben  wol  nicht  vollständig  eingerechnet  ist.  Ende  185o’
als  die  Schuld  erst  7’651,800  Species  betrug,  bestand  dieselbe  aus  folgenden ­
  Theilen  :

Rest  der  alten  Innern  Schuld  1’990  000
Anlehen  von  1851,  zur  Begründung  der  Hypothekenbank  .  .  .  982  800
Eisenbahnanlehen  von  1848  zu  4,  und  von  1858  zu  4‘,'*  %,  Rest  .  .  4'073¡000

1*inanzgeschichthches■  Als  Norwegen  sich  von  Dänemark  trennte,
war  es  vollständig  ausgesaugt  ;  Silbergeld  fast  nirgends  mehr  ,  dagegen
das  Land  mit  25  Mill.  Papiergeld  überschwemmt.  Der  Unabhängigkeitskrieg ­
  hatte  überdies  die  Ausgabe  von  weitern  14  Mill.  Thlr.  Zetteln
nothwendig  gemacht,  denn  das  Land  bekam  nirgends  Darlehen.  Zudem
bestimmte  der  Kieler  Tractat,  dass  Norwegen  2’4ü0,000  Thlr.  in  Silber
(Species)  von  der  dänischen  Schuld  übernehmen  müsse.  Als  Unterpfand
für  alle  diese  Schuldposten  hatte  man  nur  den  Werth  des  Staats-Grundeigenthums ­
  mit  4%  Mill.  Species.  Der  Curs  des  Papiergeldes  sank  immer ­
  tiefer.  Der  nach  der  neuen  Verfassung  factisch  regierende  Bauernstand ­
  umfasste  zwar  keine  »  ausgezeichnete  Finanzbeamte,  «  dagegen
viele  praktische  Männer.  Um  die  Einlösung  des  Papiergeldes  jederzeit
zu  sichern,  auferlegte  sich  die  arme  Nation  ein  Zwangs  a  nleh  en  von
2  Mill.  Spec.  Diese  Summe  bildete  den  Grundstock  für  eine  neue  Bank,
welche  für  4  Mill.  Thlr.  stets  einlösbare  Bankzettel  emittirte.  Die  ganze
Masse  des  alten  Papiergeldes  sollte  eingezogen  werden  und  es  sollten
dabei  10  Reichsbankthaler  Zettel  für  1  Thlr.  Spec,  der  neuen  Bank  gelten. ­
  Das  Ziel  ward  erreicht.  Im  J.  1823  war  die  Staatsschuld  bereits
auf  5’820,0ü0,  1842  auf  2  820,000  Spec,  herabgebracht,  und  gegen
Ende  der  40er  Jahre  schon  so  gut  wie  vollständig  getilgt,  ja  der  Staat  besass
  überdiess  gegen  11  Mill,  an  Activen.  —  Die  Staatseinkünfte  stiegen
(und  zwar  unter  Verminderung  der  Steuersätze)  ,  von  nicht  einmal
V/i  Mill,  im  J.  1815,  auf  mehr  als  3%  im  J.  1842,  und  über  4%  Mill.
            
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